Es rumort in der Chefetage der Visana. Die Berner Krankenkasse fürchtet um ihr Image. Vor zwei Wochen machte der Beobachter (Nr. 6/02) die geheimen Scoringwerte der Visana publik. Alle Versicherten der Kasse sind in Gruppen von A bis E eingeteilt. Die gesunden A-Kunden sind rentabel und erhalten Vorzugsbehandlung, die kranken E-Kunden sind teuer und haben Nachteile. Gegen aussen gibt sich die Kasse gelassen. «Alle Kunden werden bei uns gut behandelt», heisst es. Einige einfach noch etwas besser.

Genau das ist in einer Sozialversicherung aber heikel. Das Scoringsystem der Visana sei «sehr problematisch», meint Gebhard Eugster, Ombudsmann der sozialen Krankenversicherung. In der obligatorischen Grundversicherung gelte die Rechtsgleichheit, die Krankenkassen müssten «alle gleich behandeln». Ein «halb ungutes Gefühl» hat auch Fritz Britt, Vizedirektor im Bundesamt für Sozialversicherung. Die Aufsichtsbehörde will deshalb bei der Visana vorstellig werden und «einen Bericht verlangen, wie genau das System gehandhabt wird». Denn: «Wenn es konsequent durchgeführt wird, gibt es zu grosse Differenzen im Service.» Ein Missbrauchspotenzial ortet Britt vor allem in den Agenturen. «Es gibt immer wieder Leute, die ein solches Instrument gern zur Hand nehmen und unliebsame Kunden schikanieren.»