Seit März geht es Yannik wieder gut, seine Zuckerwerte sind stabil. Dies verdankt er einem handygrossen Gerät, das kontinuierlich Insulin in seinen Körper pumpt. Eine tolle Erfindung, die sein Leben ungemein erleichtert. Und die Grundversicherung zahlt. Allerdings: Sie kommt nur für die Miete des Geräts auf - der Kauf ist vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht vorgesehen. Vater Martin Hoch will das nicht in den Kopf: «Yannik wird die Pumpe sein Leben lang benötigen. Bis zum AHV-Alter wären das mehr als 100’000 Franken. Kein Wunder, steigen die Gesundheitskosten.» Dass die Herstellerfirma die Kosten für das Gerät amortisiert haben möchte, sieht Hoch ein, der sich als Gartenbau-Unternehmer aufs Kalkulieren versteht. Aber dass die Kasse bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag Miete zahlen und die Pumpe nie Yannik gehören soll, versteht er nicht: «Das sind fragwürdige Gewinne auf Kosten kranker Menschen.»

Das ist kein Einzelfall. Kürzlich berichtete der Beobachter (siehe Artikel zum Thema «Krankenkassen: Geld sparen ist nicht erlaubt»), dass die Miete für eine Milchpumpe dreimal teurer war als der Kaufpreis des Geräts. Und die Kassen müssen zahlen, weil der günstigere Kauf im Gesetz nicht vorgesehen ist.

Ein «Einzelfall», erklärte damals das Bundesamt für Gesundheit. Ein Einzelfall? Mitnichten, wie das Beispiel Insulinpumpe zeigt.

Das grosse Geschäft mit Diabetikern
Die Herstellerfirma Medtronic verteidigt ihre Praxis. «Damit die Patienten einen geeigneten Zugang zur Pumpentherapie erhalten, befolgen wir die Bedingungen, unter denen die schweizerischen Krankenkassen die Pumpentherapie zurückerstatten - nämlich durch ein Mietsystem», sagt Sprecherin Marija Sepic. Mit jeweils vierjährigen Verträgen werden die Pumpen an die Patienten vermietet. So könnten diese «alle vier Jahre von den neusten Technologien profitieren». Wie viel das Gerät kosten würde, verrät Medtronic nicht, nur dies: Der Kaufpreis sei «tiefer als 48 Monate Miete». Also tiefer als 7680 Franken.

Die Lebensdauer eines solchen Geräts, so Sepic, betrage acht bis zehn Jahre. Angenommen, das Gerät kostet 7000 Franken, macht das bis ins AHV-Alter knapp 40’000 Franken Anschaffungskosten - deutlich weniger als die Miete. Hinzu kommen allerdings Summen für Verbrauchsmaterial und Wartung.

Der Kauf eines solchen Apparats, erklärt BAG-Sprecher Daniel Dauwalder, sei «weder für die Versicherer noch für die Versicherten vorteilhaft». Mit der Miete würden Gerät, Zubehör und Verbrauchsmaterial in einem einzigen Betrag abgegolten, «was unter den uns bekannten Bedingungen die wirtschaftlichere Variante bedeutet». Einen Beleg dafür bleibt Dauwalder jedoch schuldig.

Preisüberwacher Rudolf Strahm genügt diese vage Antwort nicht. Er hat bei Preisen für medizinische Hilfsmittel ein Empfehlungsrecht an den Bundesrat, der am Schluss entscheiden muss. Strahm gibt zu bedenken, dass Wartung und Betreuung wohl einen grossen Teil der Kosten verursachten. Allerdings müssten diese transparent gemacht werden. «Wir verlangen jetzt vom BAG, uns die entsprechenden Kalkulationen vorzulegen.»

Beim Geschäft mit Insulinpumpen geht es auch ums Big Business - laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wird es in 20 Jahren doppelt so viele Diabetiker geben wie heute.

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Quelle: Daniel Ammann