Beobachter: Mein Coiffeur lässt Sie fragen, warum er für Kettenraucher und Dicke Prämien mitbezahlen soll. Er ärgert sich darüber.
Pascal Couchepin: Ihr Coiffeur verlangt eine Prämie, die nach Risiko abgestuft ist. Das ist gegen das Prinzip der Solidarität zwischen Gesunden und Kranken, das wir nun einmal beschlossen haben.

Beobachter: Eine Umfrage des Beobachters zeigt: 58 Prozent möchten, dass sich ihr Lebensstil in der Prämie niederschlägt.
Couchepin: Das ist eine kleine Mehrheit. Ich bin gegen risikogerechte Prämien. Wenn eine Versicherung ein oder zwei Prozent Rabatt geben will für Nichtraucher: Dafür wäre ich zu haben – aber nicht mehr. Wer heute eine hohe Franchise wählt, profitiert bereits von einem Rabatt.

Beobachter: Doch wenn jemand krank wird, wechselt er Ende Jahr einfach sofort zur tiefsten Franchise.
Couchepin: Das stimmt, dieses Risiko besteht. Deshalb bin ich dafür, dass man Wahlfranchisen für mindestens zwei bis drei Jahre abschliessen muss.

Beobachter: Ihre Partei, die FDP, predigt immer Eigenverantwortung – nur nicht im Gesundheitswesen.
Couchepin: Franchise und Selbstbehalt genügen meines Erachtens als Anreiz. Die Solidarität darf nicht aufgeweicht werden. Modelle mit Bonus oder Malus wären nicht praktikabel. Soll einer, der ab und zu eine Pfeife raucht, mehr bezahlen?

Beobachter: Es gibt bereits ein Bonusmodell in der Grundversicherung. Aber es ist mit einem zehnprozentigen Strafzuschlag behaftet. Sind Sie bereit, diesen abzuschaffen?
Couchepin: Nein, das werde ich nicht zulassen.

Beobachter: Was soll ich nun meinem Coiffeur sagen?
Couchepin: Er soll gesund weiterleben, dann wird er im Altersheim einmal von der Solidarität der andern profitieren. Und wenn es so viele gesunde Coiffeure wie Ihren gibt, werden die Prämien sinken.

Quelle: Stefan Wermuth