Die Idee ist verlockend: Die Krankenkasse bezahlt ein Medikament oder eine Therapie nur, wenn diese auch geholfen haben. Das verlangen Ruth Humbel (CVP) und Yvonne Gilli (Grüne) für Raucher, die sich mit der Pille Champix von ihrer Sucht befreien wollen.

Die Forderung nach einer «bedingten Kassenpflicht» ist eine Reaktion auf das Bundesgericht, das kürzlich schweres Rauchen als Krankheit eingestuft hat. Die Vorinstanz hatte die Kassenpflicht von Champix noch mit der gegenteiligen Begründung verweigert.

Die zwei Nationalrätinnen stellen die heutige Finanzierung von Medikamenten und Therapien jetzt grundsätzlich in Frage. «Die ‹bedingte Kassenpflicht› sollte nicht nur für die Raucherentwöhnung, sondern für weitere Erkrankungen geprüft werden, die eng mit dem Lebensstil zusammenhängen», so Humbel. Dazu gehörten etwa die Behandlung von Übergewicht oder ein Drogenentzug. Ärztin Yvonne Gilli regt an, die «bedingte Kassenpflicht» für weitere Arzneien zu prüfen.Eine unabhängige ­Organisation soll Wirksamkeit, Sicherheit und Kosten von Medikamenten und Therapien stetig untersuchen. 2010 hatte sich der Bun­desrat bereits für eine solche Institution ausgesprochen.

Solidarität auf dem Prüfstand

Humbel und Gilli sehen die Förderung der Eigenverantwortung im Zentrum ihres Anliegens. Humbel, die bereits vor Jahren einen höheren Selbst­behalt für Fettleibige, Raucher und Alkoholiker verlangt hatte, warnt davor, dass die Solidarität im Gesundheitswesen überstrapaziert werde. «Menschen, die sich und ihrer Gesundheit Sorge tragen, ärgern sich, für jene bezahlen zu müssen, die ihre Gesundheit schädigen.»

FMH-Präsident und SP-Politiker Jacques de Haller zeigt zwar ein «gewisses Verständnis» für das pädagogische Anliegen der Gesundheitspolitikerinnen. Menschlich und medizinisch müsse man die Idee aber verwerfen. «Schlechte Gesundheit kommt unter finan­ziell Schlechtergestellten weit­aus häufiger vor.» Es würden gerade jene Leute entmutigt, eine Therapie zu versuchen, die am dringendsten darauf angewiesen seien.

Bedenken, die der Zürcher Gesundheitsökonom Willy Oggier teilt: «Gerade beim Rauchen ist erwiesen, dass genetische und soziale Faktoren die Suchterkrankung erklären. Das individuelle Verhalten spielt hier eine geringere Rolle.»

Eine Variante der «bedingten Kassenpflicht» wird von Politikern bisher kaum thematisiert: Das finanzielle Risiko einer erfolglosen Therapie könnte statt auf den Patienten auch auf den Anbieter des Medikaments oder der Therapie ab­gewälzt werden. Im benachbarten Ausland werden solche Modelle für einzelne Medikamente bereits angewandt.n