Der Kauflust sind im Internet keine Grenzen gesetzt. Bettsofas, Turnschuhe, Hanteln, Bikinis, Linsenbehälter, Blattsalat – es gibt nichts, was die Konsumenten nicht bequem von zu Hause aus bestellen können. Und das Einkaufen per Mausklick wird immer beliebter, wie eine Umfrage der AG für Werbemedienforschung zeigt: Bis Mitte dieses Jahres haben über 1,7 Millionen Menschen in der Schweiz mindestens einmal online eingekauft – gegenüber dem Vorjahr 2002 ist das eine Zunahme um 24 Prozent. Doch bei welchen Produkten ist der Einkauf über das Netz wirklich sinnvoll?

Bücher: Sie liegen auf Platz eins der Online-Hitliste. 58 Prozent der Deutschschweizer haben schon einmal Lesestoff in einem virtuellen Shop bestellt. Das hat seine Gründe: Die Sortimente sind auch im Netz gross, und effiziente Suchfunktionen führen schnell zum gewünschten Titel. Wer nur schmökern will, kann sich in speziellen Angeboten vom Neusten, Spannendsten oder Beliebtesten inspirieren lassen.

Auch preislich können die Schweizer Online-Buchhandlungen mit den normalen Bücherläden mithalten, weil sie auf Portokosten entweder ganz oder ab einem bestimmten Betrag verzichten. Billiger kommt der Kauf wegen der in der Schweiz geltenden Buchpreisbindung aber nicht. Wer zusätzlich ein paar Franken sparen will, muss einen ausländischen Anbieter besuchen. Bei Bestellungen im Ausland sollte man sich die Versandkosten und Lieferzeiten allerdings genau ansehen. Hohe Portogebühren und Lieferfristen von mehreren Wochen sind keine Seltenheit.

Musik: Im Musikbereich vereinfacht das Internet die Suche nach Raritäten und CDs von wenig bekannten Interpreten, die das Verkaufspersonal in Musikläden oft nicht kennt oder bestellen muss. Billiger werden CDs im Netz aber nicht angeboten. Originell sind Onlinegeschäfte, bei denen sich Kunden ihre CD selbst zusammenstellen können (www.wunsch.cdDer gebrannte Tonträger wird per Post zugeschickt.

Die meisten Musikliebhaber laden ihre Lieblingsstücke heute jedoch gratis aus dem Netz herunter – zum Ärger der Plattenfirmen. MP3 machts möglich. Seit Anfang September bietet die Directmedia AG (www.directmedia.ch) eine Alternative zum illegalen Herunterladen von Musik. Sie verkauft die Titel online für Fr. 1.65 bis Fr. 3.20 pro Stück.

Reisen: Immer beliebter werden Hotel- und Flugbuchungen per Mausklick. Dass Reisearrangements im Internet billiger zu haben seien, ist allerdings ein Irrglaube. «Die Sachbearbeiterin im Reisebüro hat aus Erfahrung viele Tricks und Kniffe auf Lager», sagt Internetexperte Pascal Sieber. Im Onlinebereich sei ausserdem die Software noch nicht so ausgeklügelt wie in den Reisebüros. Buchungsvorgänge im Internet dauern oft ewig – oder es treten technische Probleme auf.

Auch Hans Ott, Verfasser eines Ratgebers zum Thema Onlineshopping, würde grössere Reisen nicht im Netz buchen, weil ihm dort die detaillierte Beratung fehlt. «Wenn ich aber nach New York fliegen will, suche ich mir im Internet den billigsten Flug», sagt der Kommunikationsberater. Das lohnt sich, auch weil die neuen Anbieter von Billigflügen oft nur noch auf das Buchen via Internet setzen. Bei den Hotels fährt man im Reisebüro hingegen oft günstiger: «Reiseveranstalter haben bei den meisten Hotels Zimmerkontingente», sagt Ott. «So ergeben sich günstigere Konditionen für die Kundschaft.»

Vorsicht ist bei billigen Pauschalreisen geboten: Nachträgliche Zimmerzuschläge, Flughafen- oder Kurtaxen lassen das Billigangebot schnell teuer werden. Wer für diesen Fall gewappnet sein will, druckt frühzeitig die Preisliste aus, um bei einem späteren Preisaufschlag einen Beweis in der Hand zu haben. Damit sitzt der Käufer am längeren Hebel.

Lebensmittel: Die meisten Schweizer Online-Verkaufsportale betreiben den Internethandel neben konventionellen Ladengeschäften. Geld lässt sich hier also nicht sparen, denn die Preise sind gleich. Sparen kann der Käufer einzig Zeit, und das Harassenschleppen entfällt. Die 29-jährige Denisa Kykalova begann bei Coop online einzukaufen, weil in der Nähe ihrer Wohnung ein Lebensmittelgeschäft fehlt. «Die Sachen kommen direkt vor die Haustür und sind oft sogar frischer als im Laden», sagt die Controllerin begeistert. Das Sortiment und die Angaben zu den Produkten liessen sich allerdings noch verbessern, findet sie.

Auch wenn der Anteil des Onlinegeschäfts am Gesamtumsatz bei Coop und Migros noch unbedeutend ist, setzen die Detailhändler auf den Ergänzungsmarkt. Zusammen mit dem neuen Partner Le Shop vergrössert die Migros ihr Sortiment Anfang 2004 auf 6000 Artikel. Auch bei Coop ist man vom Potenzial der virtuellen Shops überzeugt: «Bis in einigen Jahren könnte das Onlinegeschäft fünf Prozent des Detailhandelsumsatzes ausmachen», sagt Rolf Zeller, Leiter Coop Onlineshop.

Kleider: Im Textilbereich ist die Sache etwas komplizierter. Zwar bieten alle grossen Versandhäuser auch Bestellmöglichkeiten online an, «doch der Käufer ist oft verunsichert, ob er das ganze Angebot gesehen hat», sagt der Internetexperte Pascal Sieber. Im Online-Kleidergeschäft sieht er noch erhebliches Potenzial: «Wenn der Kunde die Ware mittels eines eingescannten Bildes virtuell an sich selbst betrachten kann, entsteht plötzlich die Möglichkeit, Kleidungsstücke zu kombinieren und anzusehen – ohne ständiges Umziehen.»

Computer: Wirklich lohnenswert ist der Kauf von Computern und der dazugehörigen Hard- und Software im Internet. Die Verkäufer sparen über diesen Vertriebskanal Infrastruktur- und Personalkosten. Das wirkt sich positiv auf den Preis aus.

Medikamente: Von Heilmitteln sollten Onlinekäufer die Finger lassen – auch wenn die Angebote preislich teilweise verlockend scheinen. Laut der Schweizerischen Arzneimittelbehörde Swissmedic sind viele der angebotenen Medikamente in der Schweiz verboten, überteuert, qualitativ schlecht oder verfälscht.

Ob Computer, Salat oder Reise: Onlinekunden zahlen ihre Einkäufe am liebsten per Rechnung. Da die Händler aber nicht das ganze Risiko allein tragen wollen und die Zahlungsmoral hierzulande auch schon besser war, forcieren sie die Bezahlung mit Kreditkarte. Onlineexperte Ott sieht darin kein Problem. Er hat so in den letzten Jahren weit über 1000 Onlinekäufe getätigt: «Wichtig ist, nicht bei dubiosen Anbietern einzukaufen – wie im Offline-Leben auch.»

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