Das Baugesuch ist von der Gemeinde bewilligt, die Profile für den Block mit acht Wohnungen in Rebstein SG stehen bereits. Das stark bebaute Gelände in Hanglage liegt in der Wohn- und Gewerbezone. Scheinbar spricht also nichts dagegen, dass hier bald die Bagger auffahren. Wenn da nicht die Vorgeschichte wäre.

Diese bringt vier Einfamilienhausbesitzer – sie hatten unmittelbar angrenzende Grundstücke von der Leica-Pensionskasse gekauft – gehörig auf die Palme. Dazu stellvertretend Jon Staudacher: «Uns bestätigte der Vertreter der PK mündlich, dass alle acht Parzellen einzeln bebaut und ausschliesslich frei stehende Einfamilienhäuser genehmigt würden. Die Aufteilung und Erschliessung des Grundstücks erfolgte nach diesen Vorgaben.» Mit einem Block vor der Nase hätten sie deshalb nie gerechnet, erklärt Staudacher. Mit seinen drei Mitstreitern hat er Einsprache gegen das Baugesuch erhoben und zusätzlich eine Petition mit 21 Unterschriften eingereicht.

Der Boden gehörte früher der Pensionskasse der Firma Leica. Ende der neunziger Jahre entschied deren Anlageausschuss, die acht Parzellen des Grundstücks an Firmenangehörige und junge Familien zu verkaufen. Die Leica-PK sicherte sich vertraglich ein Rückkaufsrecht, sollte nicht innert zweier Jahre mit «der Überbauung des Kaufobjekts mit einem Wohnhaus» begonnen werden. Baugesuche und Pläne mussten der PK vorgelegt werden.

Einige Parzellen blieben frei. Ein örtliches Baugeschäft erkannte das Potenzial des Baulands und kaufte es der Leica-PK ab. Von Einfamilienhäusern war keine Rede mehr, eher von verdichtetem Wohnen. Das geplante Mehrfamilienhaus ist mit einer Wohnfläche von 989 Quadratmetern so gross dimensioniert, dass es die erlaubte Ausnutzungsziffer überschreitet. Das Baugeschäft musste ein weiteres Grundstück zum Ausgleich dazukaufen.

«Verstoss gegen Treu und Glauben»
Die vier Einsprecher fühlen sich von der Leica-PK wirtschaftlich geschädigt: «Das ist ein Verstoss gegen Treu und Glauben. Von einem Mehrfamilienhaus war nie die Rede.» Ihre Liegenschaften würden dadurch auch einen Wertverlust erleiden.

Anrainer Staudacher ist mit seinem Niedrigenergiehaus doppelt betroffen. Der geplante Wohnblock kommt auf die gleiche Terrainhöhe zu liegen und verstellt ihm die Sicht nach Südwesten. Bei tief stehender Sonne im Winter bedeutet mehr Schatten weniger Wärmegewinn: «Wir müssten wohl eine zusätzliche Heizung einbauen.»

Eugen Baumberger, Vertreter der Leica-PK und Verhandlungspartner der Bauherren, bestreitet den Vorwurf der Eigenheimbesitzer: «Ich habe keine verbindliche Zusage gegeben, dass nur Einfamilienhäuser gebaut werden.» Und er bringt ein weiteres Argument ins Spiel: Weil einer der Anrainer sich bei der Erschliessung eines Nachbargrundstücks quer gelegt und so den Verkauf blockiert habe, seien die drei Parzellen en bloc an das Baugeschäft veräussert worden. Der angeschwärzte Anrainer wertet dies als Schutzbehauptung. Eine andere Erschliessung des Grundstücks sei durchaus möglich, zudem habe das eine mit dem andern nichts zu tun.

Die Baufirma will unbedingt am Projekt festhalten. Man habe bereits rund 60'000 Franken in Planungsarbeiten investiert. Nachdem die Gemeinde kürzlich die Baubewilligung erteilt hat, müssen bald die Gerichte entscheiden. Die düpierten Anrainer werden ihre Einsprache weiterziehen.