«Altersguthaben geplündert – und niemand will helfen», titelte der Beobachter im November 2009. Der Fall des mutmasslichen Betrügers A. G.* begann mit einem Telefonanruf eines Geschädigten. A. G. war Leiter des italienischen Gewerkschaftsbüros Inca in Zürich, er hatte diese bei Pensionskassenfragen beraten – und sich ihr angespartes Alterskapital auszahlen lassen.

Die Liste der Geschädigten wurde länger und länger; immer wieder thematisierte der Beobachter die Situation der Gastarbeiter. In einem Fall sollte ein betrogener Rentner dem Kanton Zürich sogar noch Steuern auf jenes Kapital bezahlen, das sich der mutmassliche Betrüger auf sein eigenes Konto überweisen liess.

Unter anderem dank finanzieller Unterstützung der Stiftung SOS Beobachter erreichten die Geschädigten, dass mehrere Vorsorge-Einrichtungen wegen mangelnder Sorgfalt juristisch belangt worden sind.

Mit diesem Bericht fing alles an: Beobachter-Ausgabe vom 13. November 2009.

Quelle: Thinkstock Kollektion
Anzeige

Die Ermittlungen im Strafverfahren gegen A. G. hingegen zogen sich in die Länge. Nächste Woche, sechs Jahre nachdem A. G. aufgeflogen ist, muss er sich für sein Gebaren vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Das ändert aber wenig an der Situation der meisten Geschädigten: Noch immer stehen diese ohne Geld da. Verschiedene zivilrechtliche Verfahren gegenüber Vorsorge-Einrichtungen sind pendent – noch nicht juristisch aufgearbeitet ist die Rolle der involvierten Finanzinstitute. Der Beobachter wird auch in Zukunft über diesen Fall berichten.

* Name der Redaktion bekannt

Der Fall des mutmasslichen Pensionskassenbetrügers im Überblick

12.11.2009: Altersguthaben geplündert – und niemand will helfen
Sie haben jahrelang geschuftet und in die Pensionskasse einbezahlt – jetzt stehen Dutzende Arbeiter ohne Geld da. Ein mutmasslicher Betrüger hat ihre Vorsorgemillionen eingesackt.

zum Artikel


28.04.2010: Pensionskassen sollen endlich bezahlen
Pensionskassen schlampen und zahlen das Alterskapital von 40 Personen einem mutmasslichen Betrüger aus. Experte Ueli Kieser fordert deshalb nun: Sie sollen den Geschädigten das Geld rückerstatten.

zum Artikel


27.04.2012: Swiss Life muss Guthaben erstatten
Zwei Pensionskassen sind vor Bundesgericht abgeblitzt. Sie zahlten Pensionskassenguthaben einem Betrüger aus.

zum Artikel


25.03.2013: Rentner warten weiter auf ihr Geld
Der italienische Beratungsverein Inca muss Rentnern veruntreute Pensionskassenguthaben zurückzahlen – doch die Mittel dafür fehlen.

zum Artikel


26.07.2013: Zwar Recht, aber wohl kein Geld
Der Beratungsverein Inca beschäftigte einen Betrüger und muss für die von ihm veruntreuten PK-Gelder geradestehen. Doch Inca ist pleite.

zum Artikel


17.04.2015: Staatsanwalt fordert neun Jahre
Der Zürcher Berater einer italienischen Gewerkschaft nahm 249 Rentnern Vorsorgegelder ab. Dafür fordert der Staatsanwalt eine lange Haftstrafe.

zum Artikel


10.07.2015: Altersbatzen soll besser geschützt werden
Wenn Pensionskassengelder veruntreut werden, dürfen Versicherte nicht mehr leer ausgehen, fordern 23 Nationalräte.

zum Artikel


21.08.2015: Der Machiavelli von Zürich – Psychogramm eines Täters
Er jonglierte mit Pensionskassenmillionen von Gastarbeitern, zog ein angebliches Rentensystem auf und finanzierte sich ein Luxusleben: Psychogramm eines Täters.

zum Artikel


02.10.2015: Neun Jahre Gefängnis für Inca-Betrüger
Der frühere Büroleiter des italienischen Gewerkschafts-Beratungsvereins Inca muss für neun Jahre hinter Gitter. Er hatte über Jahre die Altersguthaben pensionierter Gastarbeiter geplündert.

zum Artikel

Eine aktuelle Aufnahme des mutmasslichen Millionenbetrügers A. G. im Zürcher Hauptbahnhof (Bild: Otto Hostettler).

Quelle: Otto Hostettler
Anzeige