Früher mit dem Arbeiten aufhören? Das Gesetz über die berufliche Vorsorge macht es möglich. Viele Pensionskassen sehen heute solche Lösungen vor – wenn auch in unterschiedlichem Mass.

In Anbetracht der kritischen Beschäftigungslage – die nicht nur Swissair-Mitarbeiter zu spüren bekommen – gilt die vorzeitige Pensionierung oft als sanfte Alternative zur Entlassung. Wer jedoch Pensionskassengelder vorbezieht, nimmt eine Kürzung der Altersleistung in Kauf. Diese kann unterschiedlich ausfallen. Je nach Pensionskasse führt jedes Ruhestandsjahr vor der regulären Pensionierung zu Rentenkürzungen zwischen 4 und 14 Prozent. Wie viel es genau ist, lässt sich im Pensionskassenreglement nachlesen.

Viele Vorsorgeeinrichtungen versuchen, die relativ grossen finanziellen Einbussen zu mildern, indem sie mit Solidaritätsbeiträgen aller Versicherten oder des Arbeitgebers so genannte Überbrückungsrenten finanzieren. Diese Gelder fliessen bis zum Bezug der AHV-Altersrente. Ein Anspruch darauf besteht allerdings nur dann, wenn diese Möglichkeit im Pensionskassenreglement vorgesehen ist.

Je nach Arbeitgeber und persönlichen finanziellen Verhältnissen gibt es andere Möglichkeiten, um die Einkommenslücke zu decken. Oft stellen Arbeitgeber mit einem Sozialplan zusätzliche Gelder für vorzeitige Pensionierungen bereit. Verbreitet sind Abgangsentschädigungen. Für deren Höhe bestehen aber keine Regeln. Manchmal greifen die Arbeitgeber auch zum Mittel der Überbrückungsrente – oft in der Höhe einer einfachen AHV-Rente.

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Besonders hart kann es Arbeitnehmende treffen, wenn allein schon eine Kündigung zur vorzeitigen Pensionierung führt – ungeachtet dessen, auf wessen Initiative die Kündigung erfolgte.

Hat nämlich der Arbeitnehmende bei der Auflösung des Arbeitsvertrags bereits ein Alter erreicht, in dem er sich vorzeitig pensionieren lassen kann, besteht kein Anspruch mehr auf eine Austrittsleistung – dies entschied das Bundesgericht. Man wird in einem solchen Fall pensioniert, ob man will oder nicht. Es besteht also nur der Anspruch auf eine gekürzte Altersrente.

Immerhin bietet das Arbeitslosenversicherungsgesetz dagegen einen gewissen Schutz. Zwar hätte man als vorzeitig Pensionierter eigentlich nur dann Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung, wenn man auch noch nach der Pensionierung eine beitragspflichtige Tätigkeit ausgeübt hat – und dies mindestens sechs Monate lang. Doch es gibt zwei Ausnahmen: wenn nämlich die vorzeitige Pensionierung aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen zwingender Pensionskassenvorschriften erfolgt ist. Dann werden auch die beitragspflichtigen Tätigkeiten vor der Pensionierung berücksichtigt.

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Aber Vorsicht: Die Vorsorgeleistungen müssen kleiner sein als die Arbeitslosenentschädigung. Ausserdem darf die Entschädigung zusammen mit den Vorsorgeleistungen und einem allfälligen Zwischenverdienst 90 Prozent des früher erzielten Verdienstes nicht übersteigen.

Es lohnt sich also, rechtzeitig Abklärungen zu treffen. Schliesslich soll der wohlverdiente Ruhestand nicht zum Albtraum werden.