Die Anlaufstelle einer italienischen Gewerkschaft für Italiener in der Schweiz muss als Arbeitgeber für den Schaden aufkommen, den ein ehemaliger Büroleiter angerichtet hatte. Das Zürcher Obergericht bestätigte nun acht dahingehende Urteile des Bezirksgerichts vom letzten Herbst.

Schaden in Millionenhöhe

Inca-Büroleiter A. G. hatte jahrelang Rentner um ihr Alterskapital gebracht. Er liess sich bei deren Pensionierung das Rentenguthaben auf sein eigenes Konto überweisen – mit gefälschten Auszahlungsbegehren und dank Konten bei Banken, die zwar den Namen der Organisation trugen, bei näherem Hinsehen aber seine Privatkonti waren. Anfang 2009 flog die Sache auf, und seither warten über 40 Pensionierte darauf, dass sie ihr Erspartes zurückerhalten.

Ob Inca die Forderungen der Geschädigten wird begleichen können, ist jedoch fraglich. Allein bei den nun vor Gericht verhandelten Fällen ging es um weit über eine Million Franken. Anwalt Fabrizio Campanile, der mehrere Opfer vertritt, liess zwar nach dem Urteil des Obergerichts die Inca-Konten blockieren. Er glaubt, Inca müsse bald die Bilanz deponieren, falls die Beratungsstelle nicht Hand zu einer Entschädigungslösung biete. Eher unwahrscheinlich ist, dass die Muttergesellschaft in Italien für den Schaden aufkommt.

Ob die Beratungsstelle das Urteil ans Bundesgericht weiterzieht, ist unklar. Bisher vertrat Inca die Haltung, sie habe kein Geld und könne so auch keinen Schaden übernehmen.

Erfolgversprechender dürfte für die Geschädigten der Weg über die Vorsorgeeinrichtungen sein. Denn für diese gelten strenge Anforderungen an die Sorgfaltspflicht. In einem von der Stiftung SOS Beobachter unterstützten Inca-Musterfall kam das Bundesgericht vor einem Jahr zum Schluss, Swiss Life habe die Sorgfaltspflicht verletzt. Sie habe nicht sichergestellt, dass das Altersguthaben der tatsächlich berechtigten Person ausbezahlt wurde. Trotz dem klaren Urteil lehnen die invol­vierten Vorsorgestiftungen mehrerer grosser Banken und Versicherungen weiterhin jegliche Verantwortung ab.

Die Ermittlungen in Sachen Inca sind auch nach vier Jahren nicht abgeschlossen, obwohl der mutmassliche Betrüger weitgehend geständig ist. Damit bleibt weiterhin offen, wann er sich vor Gericht verantworten muss.

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