Schon 2007 berichtete der Beobachter über die finanziellen Probleme und enthüllte, dass Pro Juventute die Liegenschaft des Zürcher Hauptsitzes verkaufen musste. Damals sagte Beerli gegenüber dem Beobachter noch: «Schwarze Zahlen zu schreiben ist nicht unser vordringlichstes Ziel.»

Inzwischen ist vom Erlös des Immobiliendeals von über 30 Millionen Franken noch die Hälfte übrig. Stephan Oetiker, neuer Geschäftsleiter der Stiftung und seit zwei Monaten im Amt, spricht Klartext: «Machen wir weiter wie bisher, ist Pro Juventute in drei Jahren tot.» Unter Federführung des neuen Präsidenten des Stiftungsrats Josef Felder, Ex-Chef des Zürcher Flughafens, wurde beschlossen, am Hauptsitz 20 Stellen zu streichen und so zwei Millionen Franken einzusparen. Zudem sollen Firmenpartnerschaften die sinkenden Erträge aus dem Briefmarkenverkauf wettmachen. Als Beispiel nennt der Geschäftsleiter eine Kreditkartenfirma, die sich an einem Projekt beteiligt, bei dem Jugendliche lernen sollen, mit Geld umzugehen.

Die grösste Herausforderung für den Sanierer dürfte aber in den 187 Pro-Juventute-Bezirken warten: Dort muss er die rund 8000 Freiwilligen, die vor Ort Basisarbeit leisten, davon überzeugen, sich zu verselbständigen und dem Zürcher Hauptsitz in Zukunft Lizenzgebühren abzuliefern.