Simone Suter (Name geändert) war sprachlos. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für Ihren Chef hatte die Geschäftsleiterin eine Präsentation auf die Beine gestellt. Als die 40-Jährige dann die versammelte Abteilung begrüssen wollte, fiel ihr der Chef ins Wort. «Du sprichst ja nicht so gern vor vielen Leuten», stellte er sie mit einem Grinsen im Gesicht bloss. «Deshalb übernehme ich diesen Job.» Wie versteinert stand Simone Suter da. Dass sie keine passende Antwort parat hatte, ärgerte sie noch mehr als das unanständige Verhalten ihres Vorgesetzten.

Wir alle kennen solche Situationen, schauen manchmal verdutzt aus der Wäsche. Wünschen uns immer wieder, an der Vereinsversammlung, am Stammtisch oder an der geschäftlichen Besprechung schlagfertiger und souveräner reagieren zu können. «Viele Menschen sind nach einer Provokation emotional völlig blockiert», weiss Jacqueline Steffen. Die 46-jährige Kommunikationsfachfrau und Betriebsökonomin leitet Seminare, in denen die Teilnehmenden anhand einfacher Strategien lernen, souverän und klug auf verbale Angriffe zu reagieren. In ihre Kurse kommen vor allem Frauen. Sie leiden im Berufsalltag ganz besonders, weil sie sich gegen ihre Kollegen oftmals zu wenig durchsetzen können. Zudem hat der Druck auf dem Arbeitsmarkt zugenommen. Nicht immer kommen die Besten und die Fleissigsten weiter, sondern Mitarbeitende, die sich besonders gut präsentieren können.

Frust im Bauch muss nicht sein In zugespitzten Situationen gute Miene zum bösen Spiel zu machen, seinen Ärger in sich hineinzufressen und damit die eigenen Bedürfnisse zu verleugnen sei zwar einfach, aber die falsche Strategie, betont Jacqueline Steffen. Wer hingegen nach einem blöden Spruch Paroli bietet, lässt den Frust im Bauch gar nicht erst hochkommen und gibt den Ärger zurück. Die Kommunikationsfachfrau rät dazu, wann immer möglich den Inhalt einer Verbalattacke in ein positiv formuliertes Anliegen umzuformulieren. Simone Suter hätte also ihrem Chef antworten können: «Schön, dass du mir diese Aufgabe abnehmen möchtest. Ich komme auf dein Angebot aber gern ein andermal zurück.»

Wie Sie Ihrem Gegenüber Paroli bieten

  • Leiten Sie einen Angriff um, indem Sie das Thema wechseln. Beispiel: «Dass du dich mit dieser Frisur überhaupt auf die Strasse traust!» - «Apropos Strasse: Die Benzinpreise sollen wieder steigen.»
  • Entschärfen Sie unsachliche Kritik durch Fragen. Beispiel: «Ihr Konzept besteht hauptsächlich aus Allgemeinplätzen.» - «Was verstehen Sie unter Allgemeinplätzen?»
  • Bringen Sie Ihr Gegenüber aus dem Gleichgewicht, indem Sie zustimmen oder ein Kompliment machen. Beispiel: «In Ihrem Alter würde ich nicht mehr so freizügig herumlaufen!» - «Vielen Dank für diese Lebenshilfe. Sie wissen einfach alles besser als ich.»
  • Stiften Sie mit einem unpassenden Sprichwort Verwirrung. Beispiel: «Benutzen Sie Ihr Hirn, dann verstehen Sie, was ich sagen will.» - «Wie meine Grossmutter schon sagte: Die Motte fliegt so lange ums Licht, bis sie verbrennt.»
  • Weisen Sie Beleidigungen zurück. Beispiel: «Schalten Sie doch Ihr Gehirn ein, bevor Sie sprechen!» - «Das war beleidigend. Lassen Sie solche Bemerkungen. Ich will sachlich diskutieren.»



BuchtippBarbara Berckhan: «Die etwas intelligentere Art, sich gegen dumme Sprüche zu wehren. Selbstverteidigung mit Worten»; Heyne, 2001, 158 Seiten, CHF 14.70

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Quelle: Agentur Gettyimages