Höflich, aber bestimmt macht die Münchner Anwaltskanzlei auf das Versäumnis aufmerksam: 7.50 Euro schulde er, Simon Gigon, der Firma H&H media consult GbR in Dresden, dazu Mahngebühren von über 30 Euro. Gigon habe Dienste der Internetseite www.gewinnhammer.de genutzt und nicht bezahlt.

Von einer solchen Site hat der 29-Jährige allerdings noch nie etwas gehört. «Für etwas, das ich nicht gekauft habe, bezahle ich doch nichts», wehrt sich der Veranstaltungstechniker aus dem luzernischen Neuenkirch. Wie Gigon erging es vielen anderen. Im Beobachter-Beratungszentrum sind zahlreiche Anfragen zu H&H eingegangen.

Nicht alle Adressaten erhielten die unliebsame Post aus München, etliche wurden von der Firma Intrum Justitia in Darmstadt angeschrieben. Keiner der vermeintlichen säumigen Zahler kann sich daran erinnern, jemals die Gewinnhammer-Seite besucht zu haben.

Wer sich bei www.gewinnhammer.de anmeldet, nimmt laut Betreiber an verschiedenen Wettbewerben teil – für rund drei Euro monatlich. «Viele wissen nicht mehr, dass sie sich angemeldet haben und uns Geld schulden», erklärt Andree Hoppenheit, Mitinhaber der Betreiberfirma.

H&H media consult versucht gegenüber dem Beobachter, die Forderungen mit Rechnungen und Mahnungen zu belegen, die sie per E-Mail verschickt haben will. Diese Mails hätten sie nie bekommen, erklären die Gemahnten. Ans mehrstufige Anmeldeprozedere, mit dem die Kunden laut H&H bestätigen, eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, mögen sich die Betroffenen auch nicht erinnern. «So eine zeitraubende Anmeldung vergisst man nicht einfach», sagt Gigon.

Den Beweis für eine Anmeldung müssen die Gewinnhammer-Betreiber erbringen. Der Papierkorb ist bis dahin wohl der beste Ort für die Zahlungsaufforderungen.

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