Es gibt Jubiläen, die man gern feiert, etwa wenn sie eine Ehe betreffen. Und es gibt solche, auf die man gern verzichtet. Elisabeth Attigers 20-Jahr-Jubiläum gehört definitiv zu den letzteren: Im Herbst 1993 hatte sie im Versandhandel ein Buch über das alte Ägypten gekauft und bezahlt. Doch der Time-Life-Verlag interpretierte ihre Bestellung als Abo und schickte ihr weitere Bücher über untergegangene Kulturen. Attiger retournierte sie und erklärte das Missverständnis. Bücher kamen keine mehr, wohl aber Rechnungen und Mahnungen, zunächst vom Verlag, schon bald aber von Intrum Justitia.

Seit 20 Jahren behelligt nun die Inkassofirma die Frau aus Geroldswil ZH alle paar Mo­nate mit immer neuen Auf­forderungen, endlich die alte Schuld zu begleichen. Die sonst als unzimperlich gel­tende Intrum Justitia lockt mit ständig neuen «Rabatten»: Im Januar 2010 offeriert sie «eine Reduktion von 30 Prozent» auf die angeblich offenen rund 250 Franken, im Januar 2011 sind es 40 Prozent, im Januar 2013 30 Prozent. ­Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Rabattschlacht im August 2009 mit 70 Prozent.

Elisabeth Attiger muss die ­Kuverts gar nicht mehr öffnen: «Immer wenn ich Post aus Schwerzenbach erhalte, weiss ich: die Intrum wieder.» Sie ­reagierte auf kein einziges von mehreren Dutzend Schreiben, doch das spornt die Texter der Inkassofirma nur noch an: Mal wünschen sie ihr «ein schönes neues Jahr», mal eine «besinnliche Weihnachtszeit, gleichzeitig wünschen wir aber auch unserem Kunden, dass die offene Forderung noch in diesem Jahr beglichen wird». Mal soll sie «die Schuldenfalle umdribbeln» (und endlich bezahlen), mal muss das Januarloch herhalten («Setzen Sie Segel! Das Januarloch zu umschiffen ist manchmal ein etwas schwieriges Manöver»), mal der Herbst: «Nicht nur die Blätter fallen! Profitieren Sie noch heute von unserer Herbstaktion!»

Nur etwas kam der Intrum bisher nicht in den Sinn: Selbst wenn die Forderung berechtigt gewesen wäre – sie ist seit 15 Jahren verjährt. «Moralisch bleibt die Schuld bestehen», sagt Intrum-Sprecherin Jaël Fuchs dazu.