Ganz so einfach ist das nicht: Im Gegensatz zu den im Handelsregister eingetragenen Unternehmungen kann eine Privatperson nicht einfach Konkurs anmelden. Ihre Ex-Frau müsste beim Richter die Konkurseröffnung beantragen, indem sie sich mit der Einreichung einer sogenannten Insolvenzerklärung als zahlungsunfähig erklärt. Nach dem neuen Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz wird der Richter dieses Gesuch aber nur bewilligen, wenn zuvor eine einvernehmliche Schuldenbereinigung gescheitert ist oder von Vornherein aussichtslos erscheint. Konkret: Der Richter wird den Privatkonkurs über Ihre Ex-Frau nicht eröffnen, solange noch Aussicht besteht, dass sie ihre Schulden innerhalb von zwei bis drei Jahren abbezahlen kann.

Ein sehr ungemütliches Prozedere
Statt des Konkurses wird eine sogenannte Nachlasssanierung angeordnet: Dabei wird dem Schuldner der Lohn bis aufs Existenzminimum gepfändet, und die Gläubiger erhalten jeden Monat einen bestimmten Betrag, streng nach Sanierungsplan. Dieses Prozedere ist sehr ungemütlich: Ihre Ex-Frau kann sich also nicht so leicht aus der Verantwortung stehlen. Sie müsste so lange auf dem Existenzminimum ausharren, bis alle offenen Posten bezahlt sind.

Nur wenn eine Schuldensanierung wirklich aussichtslos ist, wird das Konkursverfahren eröffnet. Allerdings erst, wenn ein säumiger Zahler die Verfahrenskosten im Voraus bezahlen kann. Die Höhe dieser Kosten variiert von Gericht zu Gericht; zu rechnen ist mit 2000 bis 5000 Franken. In der Praxis können Konkursverfahren oft gerade deshalb nicht eröffnet werden, weil der Schuldner diesen Vorschuss nicht aufbringen kann. Bei einem Privatkonkurs wird das gesamte Vermögen des Schuldners bis auf die unpfändbaren Gegenstände liquidiert. Gläubiger, deren Forderungen nicht vollständig erfüllt worden sind, erhalten einen Verlustschein, mit dem sie den Schuldner während 20 Jahren jederzeit wieder betreiben können, sofern er zu neuem Vermögen gekommen ist.

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