«In der Stadt Zürich ist es möglich, sich täglich zwischen 10 und 11.30 Uhr ohne Voranmeldung bei den Sozialzentren zu melden», warb das städtische Sozialamt unlängst in einer Tageszeitung.

Die Realität sieht anders aus: Sozialhilfebedürftige, die wegen akuter Geldnot Anspruch auf einen Vorschuss haben, können sich zwar bei einem der fünf Zentren in der Stadt melden. Aber die Hilfe erfolgt nicht sofort, wie es gesetzlich vorgesehen ist. Erst müssen sich die Anwärter vier bis fünf Wochen gedulden, bis es zu einem Treffen mit dem Sozialarbeiter kommt. In der Zwischenzeit sollen Migros-Gutscheine zur Überbrückung helfen, damit Betroffene wenigstens Lebensmittel kaufen können. «Vier Wochen sind einfach zu lang für Menschen, die in Not sind», ärgert sich eine Mitarbeiterin eines Sozialzentrums, die offiziell mit der Presse nicht sprechen darf.

Unzufriedene Angestellte im Sozialdepartement machen die kürzlich erfolgte Reorganisation in Monika Stockers Amt für die Misere verantwortlich. Sibylle Mathis, Kommunikationsbeauftragte des Sozialamts, ist auch nicht glücklich über die langen Wartezeiten. Sie verspricht aber, dass man die Situation in ein paar Wochen wieder im Griff habe. «Schon im Sommer wird sich alles normalisiert haben.» Die Sozialarbeiter wollen jedoch nicht so recht daran glauben. Es fehle an Personal, man sei überlastet, so der Tenor der Angestellten. «Wir sollten nahe an der Bevölkerung sein, jetzt sind wir weiter entfernt denn je», meint eine Mitarbeiterin.