Regelmässig kann der Beobachter seinen Leserinnen und Lesern danken: Sie spenden SOS Beobachter grosszügige Beträge, die gezielt und unbürokratisch zugunsten Benachteiligter in der Schweiz eingesetzt werden. Diese Spenden bilden nur einen kleinen Teil des gesamten Spendenvolumens. Gegen eine Milliarde Franken setzte die Schweizer Bevölkerung letztes Jahr für wohltätige Zwecke ein. Das ist ein neuer Rekord: Durchschnittlich 540 Franken spendete jeder Haushalt – das sind gut 100 Franken mehr als noch 1997.

Diese Zahlen ermittelte das GfS-Forschungsinstitut in Zürich, das seit 1997 im Auftrag von rund 20 gemeinnützigen Organisationen jährlich eine repräsentative Befragung zum Spendenverhalten durchführt. Nicht nur die Geldsummen stiegen in den letzten fünf Jahren, sondern auch der Anteil der Spendenden, nämlich von 68 auf 72 Prozent der Bevölkerung. Parallel dazu wächst auch die Zahl der Sammelorganisationen: Etwa 3000 sind es, wenn man gemeinnützige Tätigkeit als Massstab nimmt. Bis zu 10000 werden es, so die Schätzung der Stiftung Zewo, einer Fachstelle für Spendenwesen, wenn man auch jene Organisationen mitzählt, die in den Bereichen Tierschutz, Sport, Freizeit und Selbsthilfe tätig sind.

Spender wechseln häufiger ab

Die aktuelle GfS-Spenderbefragung machte ausserdem deutlich, dass die Spenderinnen und Spender vermehrt verschiedene Zwecke berücksichtigen. 1997 wurde mit Abstand am meisten für Behinderte, Kinder, Krankheitsbekämpfung sowie Natur- und Umweltschutz gestiftet. Seither nahmen die Spenden für Natur- und Umweltschutz etwas ab. Dafür verzeichneten der Tierschutz, die Katastrophenhilfe im In- und Ausland, die Entwicklungshilfe und die Spenden für Arme in der Schweiz markante Zunahmen.

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Dabei wechseln die Spendenden öfter als früher zwischen den Hilfswerken ab. «Die Treue zu einer Organisation hat abgenommen», bilanziert André Rothenbühler von der GfS. «Auch im Spendenmarkt spielen Trends eine Rolle», ergänzt Karin Meierhofer von der Zewo. «Zum Beispiel hatte die Aidshilfe in den achtziger Jahren keine Mühe, Spenden zu akquirieren. Heute ist auch für sie das Sammeln zäher geworden.»

Buhlen um Aufmerksamkeit

Die vielen Sammelorganisationen und die wachsende Zahl von Wechselspendenden sorgen für einen immer härteren Kampf um den Spendenkuchen. Das grössere Stück bekommt, wer wirksam auf sich aufmerksam macht. Immer mehr Organisationen professionalisieren deshalb ihre Mittelbeschaffung, indem sie qualifizierte Fundraiser anstellen oder mit spezialisierten Firmen zusammenarbeiten.

Professionalisierung auf der einen, Informationsflut auf der anderen Seite: All die Bettelbriefe, Werbeaktionen und Spendenaufrufe machen es Spendenwilligen nicht einfach, eine Wahl zu treffen. «Welche Projekte, welche Organisationen sind unterstützungswürdig?», fragen viele Ratsuchende beim Beobachter-Beratungszentrum nach. Sie möchten Gewissheit haben, dass das Spendengeld wirklich Notleidenden zugute kommt und nicht in fragwürdigen Kanälen verschwindet.

Eine Orientierungshilfe bildet das Gütesiegel der Zewo (siehe «Zewo»). Sie verleiht es Organisationen, die gemeinnützig tätig sind und ihre Standards erfüllen. Davon sind die wichtigsten: funktionierende interne und externe Kontrolle, transparente Rechnungslegung, wahrheitsgetreue Angaben über die Tätigkeit, zweckbestimmte Verwendung der Spendengelder und Verzicht auf aufdringliche Werbung. Zurzeit dürfen 300 Organisationen das Zewo-Gütesiegel verwenden.

Fehlt das Gütesiegel, heisst das nicht, dass die Organisation unseriös ist. Spendenwillige lassen sich in diesen Fällen am besten von folgenden Tipps leiten:

  • Lassen Sie sich nicht zu Spenden drängen; es ist Ihre freie Entscheidung, ob und wie viel Sie spenden wollen.

  • Lassen Sie sich auch nicht dazu drängen, die Spende mittels Lastschriftverfahren zu überweisen.

  • Verlangen Sie den Jahresbericht und die Jahresrechnung. Diese sollen sachlich und detailliert Auskunft geben.

  • Die Werbung soll die Würde der Hilfsempfänger wahren.

Wie sind Sammelaktionen auf der Strasse, an der Haustür oder übers Telefon einzuschätzen? «Sie werden praktisch nur von bezahlten Fundraisern durchgeführt», sagt Karin Meierhofer von der Zewo. «Engagierte Freiwillige sind für solche Arbeiten immer schwieriger zu finden.» Das ist nicht verwerflich, erfordert aber Transparenz. Wer auf der Strasse sammelt, muss klar machen, wofür das Geld verwendet wird und für welche Firma er arbeitet. Angesprochene verlangen in dieser Situation am besten Unterlagen, die sie dann in Ruhe zu Hause lesen können.

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Manche Spenderinnen und Spender wissen genau, in welchem Bereich sie Hilfe leisten wollen. Bei der Wahl der Organisation hilft der «Schweizer Spendenspiegel», ein Handbuch, das nach Themenbereichen gegliedert ist. Sein Nachteil: Wer zahlt, ist dabei. Die Organisationen müssen keine Qualitätskontrolle durchlaufen, um im Verzeichnis aufgeführt zu werden. Sie zahlen lediglich den Eintrag – je nach Umfang zwischen rund 700 und 4500 Franken. Dennoch bietet der «Spendenspiegel» eine informative Übersicht.

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