Beim Geld geht es oft mehr um Gefühle als um Zahlen. So auch bei der Erbschaftsinitiative. Bei der Abstimmung kommt es wohl weniger darauf an, wie viel Geld die Erbschaftssteuer einbringen wird. Es ist auch nicht entscheidend, wie hoch die Freibeträge für Firmen sein müssen. Oder ob nur zwei Prozent der Steuerzahler mehr zahlen müssten, wie die Initianten sagen, oder deutlich mehr, wie die Gegner argwöhnen. Am Ende dürften Gefühle den Ausschlag geben.

Wie der Soziologe Ueli Mäder in unserer Titelgeschichte sagt («Wer hat, dem wird gegeben»), ist Erben mit tief verwurzelten Empfindungen verbunden – es geht emotional sozusagen darum, den Fortbestand der Sippe zu sichern. Auch wenn die Realität in einem modernen Sozialstaat längst eine andere ist.

So verständlich der Abwehrreflex gegen eine Steuer sein mag, die das mühsam ersparte Vermögen schmälert, so hilfreich kann ein nüchterner Blick auf die mutmasslichen Folgen einer nationalen Erbschaftssteuer sein. Wer will schon aus Versehen gegen die eigenen Interessen stimmen?

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

«Viele Erben, die jetzt an den Kanton zahlen müssen, kämen künftig steuerfrei davon.»

Matthias Pflume, stv. Chefredaktor

Klar ist, dass die neue Steuer die kanto­nalen Erbschaftsteuern ersetzen würde. Neu ist also nicht, dass Erbschaften besteuert werden, wie oft suggeriert wird, sondern dass sie unter anderen Bedingungen besteuert werden. Viele Erben, die jetzt an den Kanton zahlen müssen, kämen künftig steuerfrei davon. Auch KMU hätten, je nach konkreter Konstellation, Vorteile gegenüber heute. Umgekehrt müssten private Erbschaften über zwei Millionen Franken, die derzeit in fast allen Kantonen steuerfrei an die Nachkommen gehen, künftig versteuert werden.

Was ist im Interesse der Stimmberechtigten?

Die Titelgeschichte verdeutlicht die grossen Zusammenhänge, und in einem Interview streiten die Befürworterin Jacqueline Badran (SP) und der Gegner Ruedi Noser (FDP) mit ihren besten Argumenten. Die Einnahmen aus einer nationalen Erbschaftssteuer sollen vor allem dabei helfen, die AHV langfristig zu sichern. Dass dort ein Defizit droht, bestreiten auch die Gegner der Initiative nicht. Wie würden sie das Problem angehen? Interessant ist Nosers Aussage: Er will die Leistungen der AHV senken sowie die Mehrwertsteuer und die AHV-Beiträge, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen, erhöhen.

Stimmberechtigte sollten sich also fragen, was in ihrem Interesse ist. Erbt oder vererbt man voraussichtlich mehr als zwei Millionen Franken und will davon nichts abgeben? Oder ist einem eine ungekürzte und besser abgesicherte AHV wichtiger? Möchte man vermeiden, dass Arbeitsplätze durch stei­gende Lohnnebenkosten gefährdet werden? Die Antworten helfen einem, nicht nur emotional zu entscheiden.

Der neue Beobachter

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte in der aktuellen Ausgabe des Beobachters. Dazu finden Sie ein Streitgespräch zur Erbschaftssteuer-Initiative zwischen Ruedi Noser (FDP) und Jacqueline Badran (SP). Weitere Themen des Hefts sind die Frauenquote, Lobbyismus und der Wintertourismus in der Krise.

Der Beobachter 11/2015 erscheint am Freitag, 29. Mai. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Luxwerk &nbsp