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RückblendeFrohe Post vom Steueramt

Fast hätten die Aargauer Behörden einem Seniorenhilfe-Verein das Genick gebrochen. Jetzt zeigt man Einsicht.

«Vorbildliches Sozialprojekt»: So berichtete der Beobachter.

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Der «Verein Tagesstätte für ältere Menschen» im aargauischen Muhen hilft Betagten dabei, möglichst lange zu Hause wohnen zu können. Dass dieser Verein einen Zweck hat, der der Gesellschaft dient, scheint offensichtlich. Doch die Aargauer Steuerverwaltung sah das anders. Die Einrichtung sei weder gemeinnützig noch verfolge sie einen öffentlichen Zweck, schrieb die Behörde in ihrer Veranlagungsverfügung vom Oktober 2007. Deshalb verlangte das Amt vom Verein Steuern in der Höhe von 10'700 Franken (siehe Artikel zum Thema). «Das hätte für uns das Aus bedeutet», meint Tagesstätten-Präsident Hans Martin Haldemann rückblickend.

Nun doch ein öffentlicher Zweck

Doch zum Glück hat sich die Steuerverwaltung eines Besseren besonnen: Gestützt auf neue Dokumente, die belegen, dass die Tagesstätte vom Aargauer Lotteriefonds mit 60'000 Franken und von der Gemeinde Muhen mit 2000 Franken unterstützt wird, hat das Amt kürzlich entschieden, dass der Verein nun doch einen öffentlichen Zweck verfolge und von den Steuern befreit werde. «Die Beiträge der öffentlichen Hand indizieren eine öffentliche Zweckverfolgung», heisst das im steuerjuristischen Jargon. Die zu Unrecht erhobenen und bereits kassierten Steuern 2007 wurden zurückerstattet.

Alles in Butter also. Bleibt nur die Frage, weshalb Behörden manchmal so lange Umwege gehen müssen, um schliesslich zu einem Resultat zu gelangen, das der gesunde Menschenverstand schon von Anfang an nahegelegt hätte.

Veröffentlicht am 09. Juni 2009