Deutsche mit einem Schweizer Bankkonto sind verdächtig: Haben sie ihr Erspartes bislang nicht dem Fiskus angegeben, droht ihnen mit dem geplanten ­Steuerabkommen Ungemach. Entweder sie deklarieren «freiwillig» ihr Vermögen den deutschen Steuerbehörden, oder die Schweizer Bank zieht 2013 automatisch bis zu 41 Prozent des Vermögens ab und überweist es nach Berlin.

Doch das umstrittene ­Steuerabkommen betrifft auch Schweizer. Laut Bundesrat sollen zwar nur «ausländische Steuerpflichtige» gemäss den Regeln ihres Wohnsitzlands besteuert werden. Im Vertragstext ist aber schlicht von «in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Personen» die Rede – darunter fallen auch nach Deutschland ausgewanderte Schweizer, die ein Konto bei einer Schweizer Bank haben.

«Wie ein Steuerbetrüger»

Etwa Luzi Fischer*. Der 79-jährige Innerschweizer zog aus beruflichen Gründen in den sechziger Jahren nach Deutschland. «Während meines gesamten Berufslebens habe ich mein Einkommen legal versteuert und jedes Jahr eine Steuer­erklärung ausgefüllt. Ich habe niemals etwas am Fiskus vorbei in die Schweiz geschafft», sagt Fischer. Trotzdem droht ihm gewaltiger Ärger und eine teure Nachforderung. Denn weil er vor seinem Umzug rund ein Jahrzehnt in der Schweiz ge­arbeitet hat, erhält er heute ­eine AHV-Rente von monatlich knapp 600 Franken, und die fliesst auf ein Konto bei einer Kantonalbank. Das Geld verwendet er jeweils, um Ferien in der Schweiz zu finanzieren.

Aber nicht mehr lange. Löst er sein Konto nicht vor Ende Jahr auf, wird seine Bank mindestens 21 Prozent dieses Rentenvermögens und 26 Prozent der Erträge direkt an den deutschen Staat überweisen. Es sei denn, Fischer ermächtigt die Bank, seine Daten an die deutschen Finanzbehörden weiterzuleiten – womit er die AHV dort versteuern müsste. «Ich fühle mich von meinem Heimatland in Sippenhaft genommen und kriminalisiert, indem ich auf die gleiche Stufe gestellt werde wie deutsche Steuer­betrüger», klagt Fischer.

Der Schweizer Rentner hofft nun, dass die deutsche Innenpolitik das Abkommen zu Fall bringt. Die sozialdemokratisch regierten Bundesländer wollen im Herbst dagegen stimmen, womit der Vertrag hinfällig würde.

Postfinance macht Druck

Das gilt als sehr wahrscheinlich – aber der Entscheid fällt erst Ende November. Trotzdem fordert Postfinance von all ihren Kunden mit deutschem Wohnsitz, sich schon bis Ende Oktober zu entscheiden, ob sie ihr Konto behalten wollen. Wenn ja, will die dem Schweizer Staat gehörende Bank diese Kundendaten an die deutschen Steuerbehörden weiterleiten.

Wer damit nicht einverstanden ist, dem droht Postfinance mit der Auflösung der Geschäftsbeziehung. Immerhin versichert Postfinance, dass die Daten nicht nach Berlin ­geschickt würden, falls das Steuerabkommen im Papierkorb landet.

*Name geändert