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Steuerbefreiung«Weil wir das Turnen fördern»

Internationale Sportverbände zahlen trotz Millionengewinnen keine Steuern. Wenn nötig, verlegen sie dafür ihren Sitz. Der Generalsekretär des Internationalen Turnverbands (FIG) nimmt Stellung.

Beobachter: Wieso soll der Internationale Turnverband (FIG), der mit der Vermarktung von Fernsehrechten Geld verdient, keine Steuern zahlen?
André Gueisbuhler: Weil wir das Turnen fördern und nicht gewinnorientiert sind. Zudem ist unser Gewinn nie mit jenem der Uefa zu vergleichen. Wir nehmen pro Jahr nur vier bis fünf Millionen Franken ein und machen kaum Gewinn.

Beobachter: Was haben die 500'000 Schweizer Turner von Ihrer Arbeit?
Gueisbuhler: Direkt natürlich nichts. Aber wir unterstützen den Turnsport weltweit, organisieren internationale Anlässe wie die Gymnaestrada. Zudem hat die Schweiz einen Imagegewinn.

Beobachter: Das hat den Kanton Bern aber nicht überzeugt. Der wollte der FIG besteuern. Deshalb ist er dort weggezogen.
Gueisbuhler: Ja. Mehr als 30 Jahre lang mussten wir im Kanton Bern nie Steuern zahlen. Ende der neunziger Jahre kam plötzlich die Steuerverwaltung und wollte rund 250'000 Franken im Jahr. Das tönt nicht nach viel, aber in zehn Jahren sind das bereits 2,5 Millionen. Dieses Geld stecken wir lieber in den Turnsport. Zudem verstanden wir nicht, weshalb der internationale Skiverband, der seinen Sitz auch im Kanton Bern hat, steuerbefreit ist und dies für uns nicht gelten sollte.

Beobachter: Das scheint ziemlich willkürlich...
Gueisbuhler: Ich will das im Nachhinein nicht kommentieren.
Beobachter: Dann wollten Sie nach Neuenburg. Aber die Eidgenössische Steuerverwaltung machte dort Einsprache gegen die Steuerbefreiung.
Gueisbuhler: Richtig. Das kantonale Steuergericht ist auf diese Einsprache schliesslich gar nicht eingetreten, weil wir nie nach Neuenburg gezogen sind.

Beobachter: Sondern nach Lausanne, in den Kanton der steuerbefreiten Sportverbände. Haben Sie keine Angst, dass der Bund auch hier die Steuerbefreiung anficht?
Gueisbuhler: Nein. Bundesrat Pascal Couchepin hat sich an den Olympischen Spielen in Peking für die Steuerbefreiung internationaler Organisationen ausgesprochen. Und zudem geniesst das Waadtland einen Sonderstatus, weil das Olympische Komitee hier seinen Sitz hat. Das macht die andern Kantone übrigens ziemlich sauer.

Beobachter: Die Uefa macht Milliardengewinne, muss aber keine Steuern zahlen. Ist das richtig?
Gueisbuhler: Mit ihrer Vermarktungsstrategie und den hohen Transfersummen für Fussballspieler wird die Uefa eher als ein Unternehmen der Unterhaltungsindustrie denn als gemeinnütziger Verein empfunden. Da leuchtet es nicht wirklich ein, wieso sie keine Steuern zahlen muss. Aber vergessen wir nicht: Die Uefa macht auch viel für die Sportförderung und investiert ihren Gewinn wieder in den Fussball. Völlig daneben finde ich hingegen, dass die kleinen regionalen Sportverbände besteuert werden, die für den Breitensport eine immense Leistung erbringen. Das müsste der Staat ändern.

Quelle: Pierre-Antoine Grisoni
Veröffentlicht am 02. September 2008