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SteuergeschenkeMöhlin und die Millionen

Mit Steuergeschenken lockt die Gemeinde reiche Ausländer. Schon früher fiel sie deshalb in einem Beobachter-Test auf.

Was bringt die Schweizer Medien dazu, heuschreckenartig in die Gemeinde Möhlin AG einzufallen? Christian Gasser hätte es lieber diskreter gehabt. Er als Finanzverwalter hat die Invasion nämlich ausgelöst - mit einem Eintrag ins Amtsblatt.

Dort war zu lesen, dass die Fricktaler Gemeinde gegen den ehemaligen Tennis-Olympiasieger Jewgeni Kafelnikow die Betreibung eingeleitet hat. Dieser wohnte 2001 bis März 2004 in Möhlin, wanderte dann wieder weiter, hinterliess aber eine Villa und eine Steuerschuld von 150’000 Franken. Damit das Dorf zu seinem Geld kommt, wurde die Schuld nun ins Grundbuch eingetragen. «Wir mussten das alles so nageln, dass es auch verhebt», sagt Gasser.

Kafelnikow profitierte in Möhlin von der Pauschalbesteuerung, einem Steuerschlupfloch für reiche Ausländer. Auch ein deutscher Millionär (230 Millionen Franken Vermögen, 14 Millionen Franken Einkommen) hatte 2004 in Möhlin angefragt, um zu erfahren, wie weit die Gemeinde geht, wenn ein schwerreicher Ausländer Steuergeschenke und Gefälligkeiten verlangt. Was man dort nicht wusste: Der Millionär existierte gar nicht, er war eine Erfindung des Beobachters (siehe Artikel zum Thema «Steuerflucht: Wir angeln uns einen Millionär» sowie «Steuertest: ‹Das ist eine Schweinerei›»).

Die Möhliner Exekutive rollte dem falschen Millionär bereitwillig den roten Teppich aus und rechnete vor, dass er statt der regulären 6,8 Millionen pauschal nur 150’000 Franken Steuern zu bezahlen hätte. Und gelegentliche Helikopterlandungen? Seien «grundsätzlich möglich». Pech nur, wenn der Millionär auf Nimmerwiedersehen entschwebt.

Quelle: Bildagentur Keystone
Veröffentlicht am 15. August 2006