Percy Barnevik versteht die Welt nicht mehr: «Ich habe immer ein verhältnismässig einfaches Leben geführt», beteuerte der ehemalige ABB-Chef und Verwaltungsrat gegenüber der schwedischen Zeitung «Dagens Nyheter». Wenige Tage zuvor war bekannt geworden, dass er bei seinem Abgang satte 148 Millionen Franken an Pensionskassengeldern kassiert hatte. Nochmals 4,5 Millionen, so machte Radio DRS publik, kamen gemäss Barneviks letztem Schweizer Steuerausweis jährlich als Einkommen dazu. Auf der hohen Kante hatte der Schwede weitere 30 Millionen.

Kein Wunder, versteht auch der gescheiterte Swissair-Manager Mario Corti die Aufregung um seinen Lohn nicht: Schliesslich kassierte er für seinen Job nur 13,2 Millionen Franken im Voraus. Plus 50000 mittlerweile jedoch wertlose Aktienoptionen. Plus ein Darlehen fürs standesgemässe Heim am Zürichberg.

Geld allein macht aber nicht glücklich und Topmanager schon gar nicht. Wer einmal einen Platz in der Teppichetage eines Grosskonzerns erobert hat, dem machen erst die kleinen Extras, im Businessjargon Fringe Benefits genannt, das Managerdasein so richtig lebenswert. Als Swissair-Verwaltungsrat war Corti etwa mit einem Freipass für Privatflüge ausgestattet. Dieser berechtigte, noblesse oblige, zu Flügen in der First Class und galt selbstverständlich auch für die Gattin.

Dienstwagen, Gratisflüge, bezahlte Versicherungsprämien, ein Handy sowieso: Das Bundesamt für Statistik (BfS) schätzt, dass mittlerweile drei bis fünf Prozent des Lohns als Fringe Benefits ausgerichtet werden. In einigen Fällen, etwa wenn der Arbeitgeber auch noch die Pensionskassenbeiträge und Krankenkassenprämien voll übernimmt, kann dieser Anteil sogar bis zu 20 Prozent betragen.

Die Zahlen stammen aus einer Pilotstudie des BfS zum Thema Fringe Benefits bei 40 Schweizer Unternehmen. Um welche Firmen es sich dabei handelt, ist allerdings nicht zu erfahren «aus Datenschutzgründen», wie man beim BfS betont. Diskretion ist auch bei den Unternehmen selbst das oberste Gebot. Auskünfte über die Extraleistungen für Topmanager sind bei den Pressestellen fast so schwierig zu erhalten wie Steuerausweise.

Beim Basler Pharmamulti Novartis verweist man auf den Geschäftsbericht. Dort steht zwar, wie viel das zehnköpfige Management im Jahr 2001 verdiente (11,4 Millionen Franken plus Aktien im Wert von 23,4 Millionen), nicht aber, welche Extras der Konzernleitung sonst noch das Leben versüssen.

«Einzelne Konzernleitungsmitglieder benützen einen Firmenwagen», heisst es bei der Zurich Financial Services Group: «Alle übrigen Topmanager erhalten die gleichen Vergünstigungen wie jeder andere Mitarbeiter auch.»

Ähnlich tönts bei den CS-Bankern. Für das Topmanagement stehe für Geschäftsfahrten ein «Fahrdienst» zur Verfügung, antwortet die Pressestelle der Credit Suisse Group auf eine entsprechende Frage, und: «Die Mitglieder der Geschäftsleitung in der Schweiz haben Anspruch auf dieselben Vergünstigungen wie die übrigen Mitarbeiter.» Die gleiche Antwort auch bei Kuoni: «Fringe Benefits werden über alle Stufen vergeben.»

Auch bei der UBS werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laut Pressestelle gleich behandelt einige allerdings etwas gleicher: Für «höhere Funktionsstufen/Ränge» bezahlt die Grossbank bis zu 2000 Franken pro Monat ans Autoleasing. Geschätzte Kosten pro Jahr: etwa 50 Millionen Franken.

Nicht zu kurz kamen auch die ABB-Manager Percy Barnevik und Göran Lindahl: Ein Geschäftsauto, bezahlte Krankenkassenprämien und ein spezielles Optionsprogramm gehören beim schweizerisch-schwedischen Konzern für die Mitglieder des obersten Kaders selbstverständlich dazu.

Im internationalen Wettbewerb um die Topshots der Wirtschaft zählen nicht nur Löhne und Bonuspakete, sondern auch die zusätzlichen Annehmlichkeiten: «Es kann schon vorkommen, dass bei Vertragsverhandlungen am Schluss auch noch darüber gesprochen wird, ob die Firma auch das private Handy und Zeitungsabonnemente übernimmt», sagt der Zürcher Headhunter Sandro Gianella. «Zum Teil geht es wirklich um Peanuts.» Bei den Schweizer Managern hat Gianella allerdings eine gewisse Zurückhaltung festgestellt, vor allem wenn es um Firmenwagen geht: «Eine eigene Limousine mit Chauffeur zu haben ist verpönt.»

Unter Schweizern vielleicht schon. Ausländische Manager, die für Schweizer Konzerne arbeiten, kennen da aber weniger Hemmungen. Die im Branchenjargon Expatriates genannten Firmenlenker lassen sich ihr Heimweh durch zahlreiche Extras lindern: «Villen auf Geschäftskosten und Privatschulen für die Kinder sind bei Topmanagern aus dem Ausland praktisch Standard», sagt ein Headhunter, der seinen Namen nicht in den Medien sehen will.

Kommt hinzu, was Headhunter gemeinhin als «Steueroptimierung» bezeichnen: «Topmanager wollen wie wir alle möglichst viel Geld verdienen, das sie nicht versteuern müssen», sagt Lucas Schellenberg von der Executive-Search-Firma Lombard&Howell. Der einzige Unterschied zum arbeitenden Fussvolk: Topmanager haben es auch in dieser Beziehung etwas einfacher. So weiss Schellenberg von Fällen, in denen hohe fünfstellige Beträge als so genannte «Vertrauensspesen» ausbezahlt werden ein steuerfreier Betrag zur persönlichen Verfügung. Ob mit diesem Geld wirklich Geschäftsessen und andere berufliche Auslagen bezahlt werden, fragt niemand.

Und hat ein Manager eines internationalen Konzerns das Pech, von seiner Firma in ein Land mit hohen Steuern delegiert zu werden, lässt sich, je nach Steuergesetz, auch in diesem Fall etwas machen: Das Unternehmen stellt seinen Manager nur zu einem Teil an seinem eigentlichen Arbeitsort an. Den Rest seines Lohns bezieht er am Hauptsitz des Unternehmens in der steuergünstigen Schweiz.

Den Steuerbehörden bleibt bei all den Vergütungen, Vergünstigungen und «Optimierungen» oft nur das Schätzen: Ob und wie oft eine Unternehmenslimousine auch privat benutzt wird oder ob sich die Anrufe vom Geschäftshandy aus tatsächlich alle nur ums «Business» drehen, steht nicht im Steuerausweis. «Im Prinzip gelten alle geldwerten Nebenleistungen ebenfalls als steuerbares Einkommen», sagt Bernhard Greminger, Leiter des Kantonalen Steueramtes Zürich, «aber es gibt immer einen Graubereich. Beispielsweise bei der privaten Nutzung des Geschäftsautos existiert ein Ermessensspielraum. Da muss man jeden Fall einzeln anschauen.»

Allerdings: Im Vergleich zu amerikanischen Firmenchefs gelten Manager in der Schweiz immer noch als bescheiden. So liess sich der Chef der von der UBS übernommenen Investmentbank PaineWebber, Donald B. Marron, laut «Cash» vertraglich eine Limousine mit Chauffeur, ein eigenes Büro in Manhattan, die Benutzung des Firmenjets sowie die Übernahme aller Versicherungsprämien zusichern. Hinzu kommen eine Altersrente von jährlich 8,5 Millionen Franken, ein Aufpreis auf die von ihm gehaltenen Aktien, Prämien von mindestens 34 Millionen und Aktienoptionen: alles in allem über 500 Millionen Franken.

Von derartigen Abzockermethoden können sogar schwedische und Schweizer Topmanager noch etwas lernen.