Steuerzahler William P. ärgert sich über staatliche Geldverschwendung: etwa «wenn ein Regierungsmitglied schon nach einem kurzen Gastspiel eine volle Pension bezieht». Deshalb wollte er Mitglied beim Bund der Steuerzahler (BDS) werden. «Vorher möchte ich Sie aber bitten, mir eine Kopie der Jahresrechnung zuzustellen», schrieb er.

«Damit ich sehe, was mit den Mitgliederbeiträgen geschieht.» Doch William P. erhielt keine Auskunft – auch nicht nach einem zweiten Schreiben. So misstraut er heute den scharfen Worten des BDS über die «fürstlichen Sitzungsgelder» der «raffgierigen Parlamentarier». Und fragt sich, ob nicht beim Steuerzahlerbund «die Honorare ebenso fürstlich ausfallen».

Der BDS-Präsident und Zürcher SVP-Kantonsrat Alfred Heer winkt ab: «Ich habe noch nie einen Franken erhalten.» In seinem Verband würden überhaupt keine Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter entschädigt. Warum legt er dann die Rechnung nicht offen? Da reagiert Alfred Heer unwirsch: «Wir haben keine Pflicht, Jahresrechnungen und Jahresberichte an irgendwelche Interessenten oder Journalisten zu verschicken.» Die Medien würden zu den Generalversammlungen eingeladen. Dort gebe man Zahlen bekannt: «Wenn Sie aber nicht erscheinen, ist dies nicht unser Fehler.» Nachträglich will er dem Beobachter die Zahlen nicht herausrücken.

Im Vorstand des 1996 gegründeten BDS sitzen ausschliesslich Zürcher SVP-Politiker und Exponenten der früheren Autopartei. Heute zählt der Verband rund 3200 Mitglieder, darunter einige Firmen. Allein durch die Mitgliederbeiträge (35 Franken pro Einzelperson) fliessen der Organisation jährlich weit über 100000 Franken zu.

Laut Heer finanziert der BDS damit Abstimmungskämpfe wie jenen zur Kürzung der Zürcher Stadtratslöhne («220000 Franken sind genug»). Geplant ist auch ein Zustupf an eine entsprechende Initiative in der Stadt Bern: Dort wollen BDS-Mitglieder den Gemeinderats- und Chefbeamtensalären an den Kragen. Schliesslich gibt der Steuerzahlerbund Broschüren zur «Aufdeckung der Steuergeldverschwendung» und zu anderen Themen heraus.

Und wohin geht der grosse Rest des Geldes? «Damit füllen wir eine Kriegskasse für einen späteren Kampf.» Mehr will BDS-Chef Heer nicht verraten: «Das ist im Moment geheim.» Etwas viel Geheimniskrämerei für einen Verband, der sich mit grellen Farben Transparenz auf die Fahnen geschrieben hat.

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