«Man erlebt ja allerhand im Umgang mit Behörden», sagt Steuerberater Daniel Scherf und schüttelt den Kopf, «aber das ist wirklich zum Wiehern.» Was ist passiert? Das Ehepaar M. aus Biel hatte in den Jahren 1997 und 1998 zu viel Steuern bezahlt. Dafür schrieb ihm die Steuerverwaltung im nächsten Jahr Vergütungszinsen von rund 1000 Franken gut.

Zinsen gelten ebenfalls als Einkommen und sind daher steuerpflichtig. Das wussten auch Herr und Frau M. Doch sie gingen davon aus, dass das Steueramt den Betrag mit der Steuerrechnung 1999 selbst verrechnen würde.

Doch bei der Veranlagungsbehörde Biel-Seeland wollte man sich die Sache nicht so einfach machen. «Sie werden demnächst Ihre definitive Steuerschlussabrechnung für das Jahr 1999 erhalten», teilte man dem Ehepaar mit – und nannte die genaue Höhe der Gutschrift. Statt aber diese Summe in der bereits eingereichten Steuererklärung zu berücksichtigen, forderte die Behörde das Ehepaar auf, innerhalb von 30 Tagen eine «Einsprache bzw. Selbstanzeige einzureichen». Nur so könnten die Zinsen «ohne grossen administrativen Aufwand» in der Steuererklärung nachgetragen werden. Andernfalls drohe ein «Nach- oder Strafsteuerverfahren».

«Gehts noch?», entfährt es Daniel Scherf. «Mit solchen Kinkerlitzchen vergrault der Kanton Bern seine besten Steuerzahler.» Nicht nur das: Der Steuervogt missachtet seine eigenen Vorschriften. Denn nach dem Berner Steuergesetz ist ein Schuldner verpflichtet, seinem Gläubiger «eine Bescheinigung über Bestand, Höhe und Verzinsung der Forderung auszustellen». Das aber hat die Steuerverwaltung Biel-Seeland im Eifer vergessen.

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Insgeheim weiss wohl auch Sankt Bürokratius, dass bei ihm nicht alles rund läuft. So schrieb die Behörde am Schluss ihrer harschen Aufforderung zur Selbstanzeige: «Wir hoffen auf Ihr Verständnis und Ihr Entgegenkommen.»