Als Annalies Bräm am 15. Februar 1999 das Auto auf dem Kundenparkplatz ihrer Pedicure abstellte, wusste sie nicht um die Gefahr von oben: Da lag auf dem Schrägdach viel, sehr viel Schnee – noch bannten die Schneefänger, die enormen Massen. Doch während Annalies Bräm es sich drinnen gut gehen liess, knallte draussen ein Eisblock vom Dach auf ihren Pontiac Grand Am und verursachte eine stattliche Delle «im Wert» von 1636 Franken.

Die betagte Hauseigentümerin zeigte sich kooperativ und meldete die Sache ihrer Haftpflichtversicherung. Diese aber kooperierte gar nicht: Das Dach mit Schneefängern sei nicht zu beanstanden, von einem Werkmangel könne also keine Rede sein, und die Schneefälle seien aussergewöhnlich gewesen. Eine Haftpflicht bestehe deshalb nicht, befand die Versicherung. Höhere Gewalt, Pech gehabt?

Der Beobachter sah das anders. Mag auch das Dach nach den Regeln der Baukunst sein, die Hauseigentümerin muss nach Gesetz für den nötigen Unterhalt sorgen und Gefahren beseitigen lassen. Kann sie das nicht, dann soll sie den gefährdeten Parkplatz sperren oder wenigstens mit Warnschildern versehen. All das war unterlassen worden. Also haftet die Hauseigentümerin, und die Versicherung muss ihr den Schaden abnehmen. Darüber liesse sich lange debattieren, fand die Versicherung, zog es aber vor zu zahlen. Annalies Bräm freut es, und der Beobachter ist auch froh, nicht lange debattieren zu müssen – auch wenn der Fall an sich höchst spannend wäre.