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VersicherungenFremdfahren: Bei Unfällen kann es schnell teuer werden

Vor allem junge Leute leihen ihr Fahrzeug auch schon mal Freundinnen und Freunden aus – für die Ferien, zum Zügeln oder für Übungsfahrten vor der Prüfung. Doch Vorsicht: Oft ist der Versicherungsschutz ungenügend.

Die 25-jährige Beobachter-Leserin Caroline Gougain ist eine begeisterte Motorradfahrerin. Sechs Jahre lang brauste sie mit ihrer 125er-Suzuki durch die Gegend – immer unfallfrei. Dann beschloss sie, auch die Prüfung für schwere Maschinen abzulegen. Für die Übungsfahrten konnte sie die 900er-Kawasaki ihres Freundes benutzen. Er verlangte jedoch, dass sie seine Maschine gegen Schäden versichere. Also schloss Caroline Gougain eine Privathaftpflichtversicherung ab. Damit sei sie gegen jede Unbill gefeit, versprach der Versicherungsvertreter. Leider verpasste es die Lernfahrerin aber, den Zweck der Versicherung schriftlich fixieren zu lassen. Eine Unterlassung mit teuren Folgen, wie sich später herausstellte.

Caroline Gougain bestand die Prüfung. Zwei Wochen später gings in die Ferien nach Korsika. Dort benutzte sie noch einmal das schwere Motorrad ihres Freundes – und hatte den ersten Unfall in ihrer Karriere. Der Schaden am Motorrad des Freundes kam auf rund 12'000 Franken zu stehen, der Prämienverlust betrug 1000 Franken – und der Selbstbehalt für den Schaden am Personenwagen, mit dem Caroline Gougain kollidierte, bezifferte sich auf 500 Franken.

All diese Beträge muss die junge Frau aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Versicherung beruft sich auf die allgemeinen Vertragsbedingungen, in denen es heisst, dass der Versicherungsschutz der Privathaftpflichtversicherung nur bei «gelegentlicher, nicht regelmässiger» Benützung eines fremden Fahrzeugs gelte. Caroline Gougain hatte der Versicherung angegeben, dass sie das Fahrzeug zwei- bis dreimal pro Woche benutze.

Bei der Rückweisung der Schadenersatzansprüche konnte sich die Versicherung auf ein Urteil des Walliser Kantonsgerichts berufen, wonach bereits drei Fahrten pro Monat als «regelmässig» eingestuft werden. Zum unscharfen Begriff «gelegentlich» führten die Walliser Richter aus: «‹Gelegentlich› ist verwandt mit ‹zufällig› – wenn es sich ohne Absprache ergibt. Eine gewisse Regelmässigkeit widerspricht dem Gedanken der ausnahmsweisen, zufälligen Benutzung.»

Doch wie hätte Caroline Gougain solch unliebsamen Kosten vorbeugen können? «In diesem Fall hätte nur eine Vollkasko die Reparaturkosten des Motorrads beglichen», sagt Urs Schmid, Präsident der Fachkommission Motorfahrzeugversicherungen beim Schweizerischen Versicherungsverband. «Da aber nur der Fahrzeughalter eine Vollkasko abschliessen kann, hätten Caroline Gougain und ihr Freund die Kosten eben aufteilen müssen.»

Veröffentlicht am 18. Juni 2001