Nein. Als Grundsatz gilt zwar: Wer schuldhaft einen Schaden verursacht, muss diesen ersetzen. Sobald ein Kind urteilsfähig ist, ist es für den Schaden verantwortlich, den es anderen widerrechtlich zufügt, und muss dafür einstehen. Die Urteilsfähigkeit bestimmt sich aber immer im konkreten Einzelfall.

Urteilsfähig wäre Karin, wenn sie in der konkreten Situation wüsste oder hätte wissen müssen, dass sie etwas Gefährliches oder Verbotenes tut. Mit drei Jahren weiss sie zwar, dass Dinge kaputtgehen können. Dass aber eine Puppe kaputtgehen kann, wenn sie zu stark an ihr reisst, kann sie noch nicht einsehen. Sie haftet demnach nicht.

Auch Sie als Eltern müssten den Schaden nur ersetzen, wenn Sie Ihre elterliche Aufsichtspflicht verletzt hätten. Mit anderen Worten: wenn Sie das Übliche und durch die Umstände gebotene Mass an Sorgfalt und Aufsicht nicht angewandt hätten. Doch Kinder müssen und können nicht rund um die Uhr beaufsichtigt werden. Karin kann auch allein im Garten spielen. Sie haben also Ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt. Allenfalls kommt Ihre Haftpflichtversicherung für den Schaden auf. Fragen Sie dort an.