«Als ich nach Hause kam, war die Tür von innen verrammelt - sofort dachte ich an Einbrecher», erinnert sich Manuela Schweizer. «Das Chaos in der Wohnung war grässlich.» Zweimal innerhalb von drei Monaten brachen Diebe bei ihr ein. Schmuck und Uhren im Wert von fast 5000 Franken kamen weg.

Die 30-Jährige rührte nichts an, griff zum Telefon und rief der Reihe nach Polizei, Hausabwart und Verwalter an. Ihre Versicherung konnte sie erst zwei Tage später informieren, da die Einbrecher am Samstag gewütet hatten. Schweizer füllte ein Schadenformular aus und schickte dieses mit sämtlichen Belegen und Zertifikaten an die Versicherungsgesellschaft. «Es tat gut, dass der Schaden rasch ersetzt wurde», so Manuela Schweizer. Scherereien mit der Versicherung hätten ihr nach dem Schock gerade noch gefehlt.

Die junge Frau machte auf Anhieb alles richtig: Sie setzte ohne jegliche Verzögerung Polizei und Versicherung ins Bild. «Wenn eine Meldung bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei eingeht, wird sofort eine Patrouille vor Ort geschickt», sagt Peter Abelin von der Kantonspolizei Bern. Anschliessend werde die Anzeige aufgenommen, «die auch als Grundlage für eine allfällig angeforderte Bestätigung für die Versicherung dient».

Jede Versicherung schreibt in ihren allgemeinen Vertragsbedingungen, was bei einer Schadenmeldung zu tun ist; die Formulare dafür finden sich meist auf den Websites der Gesellschaften. Wichtig ist, dass die vorgegebenen Fristen eingehalten werden, sonst kann die Versicherung die Leistungen kürzen oder gar verweigern.

Um den Schaden zu beweisen, reicht es im Normalfall, das Schadenformular auszufüllen, alle Fragen zu beantworten sowie sämtliche benötigten Quittungen und Kaufverträge beizulegen. Renata Tschudi Lang von der Winterthur-Versicherung weist auf eine weitere Beweismöglichkeit hin: «Fehlen die erforderlichen Belege, können Fotos der Schadenssache eingereicht werden. Diese dienen allenfalls dem Schadennachweis.» Versicherungen können aber auch einen Schadeninspektor vorbeischicken, um die gemachten Angaben zu überprüfen.

Schummeln kann ins Auge gehen

Wer als Versicherter nicht die Wahrheit sagt, geht ein grosses Risiko ein - denn Versicherungsbetrug kann schwerwiegende Folgen haben. Zum Beispiel wenn jemand fälschlicherweise den kaputten Fernseher als «Blitzschlag-Schaden» angibt oder behauptet, er hätte den Fotoapparat der Freundin fallen gelassen. Wenn das herauskommt, wird erstens der Schaden nicht ersetzt, zweitens kann die Versicherung vom Vertrag zurücktreten und die bereits bezahlten Beträge behalten. Ausserdem haben es Versicherungsbetrüger nicht einfach, eine neue Gesellschaft zu finden - und müssen darüber hinaus mit einer Strafverfolgung rechnen.

Auch wenn der Versicherte einen Schaden nicht selber verursacht hat, muss er alles tun, um die Folgen in Grenzen zu halten. «Bei einem Wassereinbruch kann dies etwa sein, eine Trocknungsfirma aufzubieten», erklärt Olivier Michel von der Zürich-Versicherung. Weitergehende kostenpflichtige Massnahmen sollte man aber erst nach Rücksprache mit der Versicherung organisieren. Hält sich ein Versicherter an die Informations-, Beweis-, Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht, gibt es in aller Regel keine Schwierigkeiten. Spätestens vier Wochen nachdem die erforderlichen Unterlagen und Quittungen bei der Versicherung eingetroffen sind, muss diese die Entschädigung auszahlen.

«Probleme gibt es oft in zwei Fällen», sagt Martin Lorenzon von der Ombudsstelle der Privatversicherung: «Wenn man für einen gestohlenen Gegenstand keine Belege oder andere Beweise besitzt oder wenn sich Ungereimtheiten bei der Schilderung des Sachverhalts ergeben.» Kann ein Diebstahl nämlich nicht zweifelsfrei glaubhaft gemacht werden, darf die Versicherung «erhöhte Beweisanforderungen» stellen. Im Klartext heisst das: Ohne einen Beweis sieht der Geschädigte keinen roten Heller.


  • Bewahren Sie Kaufverträge und Quittungen über Möbel, Geräte und Wertsachen auf. Auch Fotos können helfen. Für eine Schadenmeldung sind sie wichtig.

  • Heben Sie bei der Kommunikation mit der Versicherung alle Beweismittel (Faxkopien, E-Mails) auf oder erstellen Sie Notizen über Telefonate und Gesprächspartner: So können Sie beweisen, dass Sie sich gemäss den Vertragsbedingungen verhalten haben.

  • Geben Sie sich nicht mit einer telefonischen Auskunft zufrieden, wenn die Versicherung keine Leistungen erbringen will. Schicken Sie immer ein Schadenformular ein und verlangen Sie dafür eine schriftliche Bestätigung sowie Stellungnahme zur Schadenabwicklung.

  • Wenn es zu keiner Einigung kommt, wenden Sie sich an Ombudsmann der Privatversicherung

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