Sekundenbruchteile nachdem sein neues iPhone in der WC-Schüssel gelandet war, atmete Adrian Tschümperlin auf. Genau für solche Fälle hatte er eine Versicherung abgeschlossen. «Versicherungsschutz bei versehentlicher Beschädigung und Verlust» hatte es im Inserat des Telekomanbieters Orange geheissen.

Als Tschümperlin den Schaden bei Orange melden wollte, wies ihn der Sachbearbeiter freundlich auf Paragraph 3.2.4 der allgemeinen Versicherungsbedingungen hin: Ein nachfolgender Abschnitt enthält eine Aufzählung jener 26 Schäden, die von der Haftung ausgeschlos­sen sind. Darunter fällt auch das «Fallenlassen ins Wasser durch Nachlässigkeit des Versicherten». Kurz: Orange weigerte sich, den Schaden zu übernehmen. Bitter für den 14-Jährigen, der sich sein Handy monatelang vom Sackgeld abgespart hatte.

Florian Lörtscher vom Staats­­sekretariat für Wirtschaft kritisiert: «Falls Orange in Fällen, in denen kein schweres Verschulden anzulasten ist, die Auszahlung der Versicherungsleistung verweigert, so sind die in der Werbung enthaltenen Angaben als irreführend zu werten.» Orange verstosse damit unter Umständen gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.

Unterdessen scheint auch Orange zu dämmern, dass man das Fairnessgebot im Umgang mit Kunden etwas arg strapaziert hat. Die im Inserat benutzte Formulierung sei «leider nicht ganz präzis», man wolle die «Kommunikationsinstrumente entsprechend überarbeiten». Adrian Tschümperlin muss vielleicht doch nicht erneut zum Sackgeld greifen. Orange will seinen Fall «noch mal im Detail anschauen».