«Die Versicherungen wollen ganz bewusst missliebige Anwälte ausgrenzen», sagt der Zuger Rechtsanwalt Max Sidler. Der Spezialist im Haftpflicht- und Versicherungsrecht ist für viele Versicherte seit Jahren eine wichtige Anlaufstelle, weil er couragiert und erfolgreich ihre Anliegen vertritt - wenn auch teils mit unzimperlicher Wortwahl. «Pro Jahr erkämpfe ich für die Versicherten 30 bis 50 Millionen Franken», betont Max Sidler. Deshalb hätten die Versicherungen versucht, ihn aus dem Beruf zu drängen.

Dieses Jahr im Frühling wurde Sidlers Bürogemeinschaft die Berufshaftpflichtversicherung gekündigt. Darauf erhielten drei der vier Anwälte anstandslos von derselben Versicherung zu den gleichen Bedingungen wieder eine Police. Nur Seniorpartner Sidler nicht. Der vorgeschobene Grund: ein Schadensfall im Jahr 2006 - der erste seit Abschluss der Police im Jahr 1978. «Ein Versicherungsvertreter sagte mir offen, die Gründe lägen in meiner Person», sagt Sidler. Damit drohte ihm ein faktisches Berufsverbot, weil eine Berufshaftpflichtversicherung für Anwälte obligatorisch ist. Sieben Monate lang erhielt er von allen zehn Anbietern auf dem Schweizer Markt Absage auf Absage, selbst von einem englischen Versicherungskonzern. Ohne Angabe von Gründen. «Die Versicherungen haben sich abgesprochen und sind wie ein Kartell aufgetreten», sagt der 60-Jährige. Erst vor wenigen Tagen kam Sidler wieder zu einer Police, musste aber sehr hohe Prämien, Franchisen und Selbstbehalte akzeptieren. «Bei einem Schadensfall muss ich bis zu 500'000 Franken aus dem eigenen Sack bezahlen.»

Der Anwaltsverband will handeln
Gleich ging es auch dem Rechtsanwalt M. P. (Name der Redaktion bekannt), auch er gilt als engagierter Geschädigtenvertreter. «Die Versicherungen können so gegen unliebsame Anwälte massiv Druck ausüben», kritisiert er.

Der Schweizerische Anwaltsverband (SAV) hat das Problem erkannt: «Bedauerlicherweise ist es derzeit so, dass es die Haftpflichtversicherungen faktisch in der Hand haben, einen Rechtsanwalt aus dem Beruf zu kippen», so Michael Hüppi, Mediensprecher des SAV. Man suche nun das Gespräch mit den Versicherungen.