Putzfrauen leben gefährlich, das weiss Muriel Stillhart nur zu gut. Als Angestellte eines Reinigungsinstituts stürzte sie 2007 von einer Leiter, brach sich etliche Knochen und war für über vier Monate ausser Gefecht gesetzt. Inzwischen arbeitet die 47-Jährige als selbständige Reinigungskraft, ihre Firma Stillclean hat einen Eintrag im Handelsregister und eine Website; das Geschäft läuft. Doch der Unfall ist unvergessen. «So etwas kann in meinem Beruf schnell wieder passieren», sagt Stillhart. «Als Selbständige kann ich mir nicht leisten, monatelang auszufallen, daher bin ich extrem vorsichtig geworden.»

Doch Vorsicht allein reicht womöglich nicht aus. Muriel Stillhart will daher eine Kranken- und Unfalltaggeldversicherung abschliessen, um bei Krankheit nicht gleich ohne Einkommen dazustehen – wie es auch das Beobachter-Be­ratungszentrum Selbständigen generell empfiehlt. Doch im Einzelfall ist das leichter gesagt als getan. Nacheinander weisen nämlich die Axa Winterthur, die Generali-Versicherungen und die Visana Stillharts Antrag ab. Und zwar, weil sie Putzfrau ist: In den Versicherungsvorgaben seien «unerwünschte Risiken bestimmt, unter welche auch Reinigungsinstitute fallen», schreibt etwa die Visana in ihrer Absage.

Keine Chance, sich zu wehren

Muriel Stillhart ist nicht als Einzige unerwünscht: «Zahlreiche Versicherungen führen Berufsrisikolisten und schliessen bestimmte Berufsgruppen von Anfang an aus», sagt Ruedi Ursenbacher, Geschäftsführer der unabhängigen Fairsicherungsberatung. Das betreffe vor allem selbständige Raumpfleger, aber auch andere Gruppen wie etwa Nachtklubtänzerinnen. Die Versicherer gehen nicht nur davon aus, dass das Gesundheitsrisiko in diesen Berufen besonders hoch ist: «Sie fürchten vielmehr, dass sich Leute, die in diesen Bereichen tätig sind, schnell krankschreiben lassen, wenn es nicht genug Arbeit gibt», sagt Ursenbacher.

Anzeige

Möglichkeiten, sich gegen die Nichtaufnahme zu wehren, haben Betroffene nicht. Anders als die Krankenversicherung ist eine Taggeldversicherung nicht obligatorisch. Versicherer können selber entscheiden, wen sie aufnehmen und wen nicht.

Muriel Stillhart bleibt nichts anderes übrig, als weiter nach einer Versicherung zu suchen. Und verärgert festzustellen: «Ich bin gegenüber angestellten Raumpflegerinnen schlechter gestellt, bloss weil ich mich selbständig gemacht habe.»