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VersicherungenVertrauen Sie auf Ihren Schutzengel?

Vor Schicksalsschlägen kann man sich nicht schützen, aber vor ihren finanziellen Folgen: Welche Policen braucht es, welche nicht? Wie Sie sich und Ihre Familie optimal absichern.

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Der deutsche Schriftsteller und Kabarettist Erich Kästner hatte seine eigene Art, die Unwägbarkeiten des Alltags zu beschreiben: «Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.» Wer es sich leisten will, der kann sich gegen fast alle kleinen und grossen Schicksalsschläge wappnen. Allerdings nicht gegen das Ereignis selbst: Versicherungen verhindern keine Krankheit oder Invalidität, keinen Unfall oder Raub, keine Überschwemmungen oder Erdbeben. Sie gleichen nur die finanziellen Folgen aus. Der Versicherungsvertrag ist ein ungewöhnlicher Vertrag. Beide Parteien hoffen, dass ihre Abmachung nie zum Tragen kommt, dass der Schadensfall ausbleibt.

Wie teuer ist Sicherheit? Ihr Sicherheitsgefühl lassen sich die Menschen in der Schweiz etwas kosten. Mehr als 20'000 Franken gibt ein Durchschnittshaushalt pro Jahr für Versicherungsprämien aus:

  • knapp 9000 Franken für Sozialversicherungsbeiträge;
  • 7000 Franken Krankenkassenprämien;
  • fast 5000 Franken für alle übrigen Versicherungen.


Die ersten beiden Positionen lassen sich schlecht vermeiden. Zum grossen Teil bestehen sie aus obligatorischen Abgaben. Kommt ein erstes Kind dazu, steigen die Versicherungsausgaben noch einmal um etwa einen Drittel und machen rund 25 Prozent des Haushaltsbudgets aus. Darin spiegelt sich auch das veränderte Sicherheitsbedürfnis einer Jungfamilie: Junge Eltern sind risikobewusster als Singles.

Wie viel Sicherheit braucht es? Das Bedürfnis nach Absicherung ist sehr individuell. Zur Ermittlung eines sinnvollen Versicherungsschutzes gibt es darum keine Patentrezepte. Wie viel Sicherheit angebracht ist, hängt von der persönlichen «Risikofähigkeit » ab. Sie bemisst sich nach Fragen wie den folgenden:

  • Wie viel Sicherheit sollen wir, wie viel Risiko wollen wir uns leisten?
  • Welche Risiken gibt es, und wie sichern wir uns dagegen ab?
  • Welchen Versicherungsschutz haben wir aus bestehenden Versicherungen?
  • Wo gibt es allenfalls noch Lücken?
  • Wie schliessen wir die Lücken, ohne das Budget übermässig zu strapazieren?
  • Worauf könnten wir verzichten?


Nur wenn Sie diese Fragen ehrlich beantworten, können Sie Ihren Versicherungsschutz optimieren. Denn häufig werden Versicherungen abgeschlossen, die unnötig oder nicht auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Um die individuelle Versicherungssituation zu klären, müssen Sie sich ausserdem einen Überblick über die wichtigsten Risiken verschaffen. Grob lassen sich diese in drei Kategorien einteilen:

  • Ihre Einkünfte können sich vermindern, etwa durch eine hartnäckige Krankheit.
  • Ihre Ausgaben können sich plötzlich drastisch erhöhen, weil Sie gegenüber jemandem haftbar werden.
  • Ein Teil Ihres Vermögens kann vernichtet werden, etwa durch Einbruch.


Persönliche Risikoanalyse: Um den Versicherungsbedarf zu ermitteln, müssen Sie wissen, wie gut Sie schon abgesichert sind. Zum Beispiel bei Krankheit, Unfall, Invalidität: Hier besteht in der Regel bereits Versicherungsschutz durch Krankenkasse, Arbeitgeber und Pensionskasse.

Zugegeben, die persönliche Risikoanalyse ist nicht ganz einfach: Lassen Sie sich wo nötig durch Fachpersonen beraten. Und nutzen Sie den Wettbewerb: Sprechen Sie mit verschiedenen Versicherungsgesellschaften, vergleichen Sie Offerten und holen Sie bei Freunden und Bekannten Referenzen ein. Doch Versicherungsfragen lassen sich nicht einfach an die Experten delegieren. Spätestens wenn konkrete Offerten vor Ihnen auf dem Tisch liegen, müssen Sie wissen, wie (lebens)-gefährlich Sie künftig leben wollen.

Praktisch jedes Risiko lässt sich versichern. Decken Sie aber nur Risiken ab, die Sie tatsächlich als Gefahr empfinden und deren Folgen Sie nicht selbst tragen können oder wollen.
Risiken auf der Einnahmenseitemögliche Absicherung
vorübergehende Erwerbsunfähigkeit durch Unfall oder Krankheit
  • Unfalltaggeldversicherung durch den Arbeitgeber (obligatorisch)
  • Krankentaggeldversicherung durch den Arbeitgeber oder privat
länger dauernde Erwerbsunfähigkeit durch Unfall oder KrankheitErwerbsausfallrente aus 1., 2. (obligatorisch) und 3. Säule (privat)
Todesfall
  • Hinterbliebenenrenten aus 1. und 2. Säule (obligatorisch)
  • Todesfallkapital aus 3. Säule (privat)
ungenügende Altersvorsorge aus AHV und Pensionskassefreiwillige Zahlungen in die 2. Säule, privates Sparen in der 3. Säule, Wohneigentum
Risiken auf der Ausgabenseite mögliche Absicherung
Haftpflichtansprüche Dritter (exklusive Fahrzeug)Privathaftpflichtversicherung, Gebäudehaftpflichtversicherung
Haftpflicht als Motorfahrzeughalterobligatorische Motorfahrzeughaftpflichtversicherung
Abwehr unberechtigter Forderungen, GerichtsverfahrenRechtsschutzversicherungen
Nichtantritt einer Reise, Gepäckverlust, Krankheit im Ausland und andere RisikenReiseversicherungen (Annullationskostenversicherung, Reisegepäckversicherung, Personen-Assistance)
medizinische Behandlung bei KrankheitKrankenkasse: obligatorische Grundversicherung und freiwillige Zusätze
medizinische Behandlung bei UnfallUnfallversicherung (obligatorisch): über den Arbeit geber oder die Krankenkasse
Risiken für das Vermögenmögliche Absicherung
Beschädigung oder Verlust des HausratsHausratversicherung
Beschädigung von WohneigentumGebäudeversicherung (obligatorisch) für Hauseigentümer, Bauwesenversicherung für Bauherren
Beschädigung oder Verlust von MotorfahrzeugenTeil- oder Vollkaskoversicherung

Für Familien lohnen sich – neben den obligatorischen Versicherungen – vor allem zwei Policen als Standardabsicherung: die Haftpflicht- und die Hausratversicherung. Denn vor allem bei Haftungsansprüchen können die Forderungen mehrere hunderttausend Franken oder sogar mehrere Millionen betragen. Da solche Ereignisse allerdings sehr selten eintreten, sind die Prämien für diese Versicherungen moderat.

Privathaftpflicht: Haftungsansprüche Dritter
Die Haftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die die Versicherten Dritten gegenüber verursachen, zum Beispiel wenn Sie oder Ihr Kind auf der Skipiste einen Unfall verursachen. Ihre Haftpflichtversicherung kommt für die Behandlungs- und Heilungskosten auf und deckt auch allfällige Erwerbsausfälle der angefahrenen Person: Bei dauernder Erwerbsunfähigkeit können die Schadenersatzansprüche in die Millionen gehen.

Eine gute Privathaftpflichtversicherung versichert darum Schäden von drei oder fünf Millionen Franken. Dieser Versicherungsschutz ist bezahlbar und lohnt sich entsprechend: Eine Haftpflichtversicherung für eine dreiköpfige Familie kostet 200 bis 250 Franken pro Jahr.

Hausrat: Vermögen absichern
Die Hausratversicherung schützt Ihr Hab und Gut gegen Risiken wie Feuer-, Schnee-, Sturm-, Erdrutsch- und Wasserschäden, ebenso gegen Diebstahl und Glasbruch. Im Schadensfall bezahlt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert des zerstörten Hausrats: Möbel, Kleider, Heimelektronik, Schmuck, Sportartikel, Musikinstrumente, Wein – selbst für eine junge Kleinfamilie kann der Schaden rasch 100'000 Franken ausmachen, wenn sie bei einem Brand alles verloren hat.

Vermeiden Sie sowohl eine Über- wie auch eine Unterversicherung Ihres Besitzes: Bei einer Überversicherung zahlen Sie zu hohe Prämien, bei einer Unterversicherung kürzt die Versicherung im Schadensfall die Zahlung prozentual. Die Absicherung eines Hausrats über 100'000 Franken kostet rund 400 Franken im Jahr.

Vergleichen Sie aber die eingeschlossenen Leistungen genau: Bei einigen Gesellschaften ist zum Beispiel das Erdbebenrisiko oder einfacher Diebstahl auswärts standardmässig inbegriffen, bei anderen kosten diese Leistungen zusätzlich.

Veröffentlicht am 05. März 2009