Die «stärkste Tageszeitung», wie sich der «Blick» lobt, muss seit Jahren schwindende Auflagezahlen hinnehmen. Nun gibt der Ringier-Verlag Gegensteuer: Den Lesern soll ihr Leibblatt bereits vor 6.30 Uhr ins Haus geliefert werden. Den Verteilauftrag hat die Post erhalten - und sucht dafür auch Sozialhilfebezüger. Bei einem Stundenlohn von 19 bis 22 Franken blieben ihnen dank dem «Einkommensfreibetrag» rund 160 Franken pro Monat. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe ist begeistert und hat der Post die Türen zu den Sozialämtern geöffnet. Von Baden bis Luzern oder Schaffhausen - auch Städte loben das Projekt, allerdings mit Vorbehalt. «Nur wer gesund und robust ist, kann bei jedem Wetter Zeitungen verteilen», sagt Barbara Egli vom Sozialamt Luzern. Andere Ämter machen geltend, dass Personen in Arbeitsprogrammen den Job aus zeitlichen Gründen nicht übernehmen könnten. Allesamt hoffen sie jedoch, dass weitere Firmen Teilzeitpensen für Sozialhilfeempfänger schaffen. Auch die Gewerkschaft Kommunikation, die die Post-Mitarbeiter vertritt, konnte sich zu einem Einverständnis durchringen, obwohl der Stundenlohn an der unteren Grenze liege.

Lesen Sie zum Thema Sozialhilfe auch die beiden Artikel «Sozialdetektive: Kommen jetzt die Bauernopfer?» sowie «Sozialhilfe: Erst die Arbeit, dann das Geld» (siehe «Artikel zum Thema»).