«Milch? Nein, Milch trinken wir fast keine - obwohl wir zwei Mutterkühe haben. Man meint immer, alle Bauern tränken Milch. Zum Zmorge gibts Tee, Joghurt, selbst gebackenes Brot, Konfitüre, auch selber gemacht, und Käse. Die Teekräuter sammle ich übers Jahr: Schlüsselblumen, Pfefferminz, Holunder-, Lindenblüten...

Für zwischendurch zum Schnöiggen habe ich immer Dörrfrüchte aufliegen. Ich mache sie jeweils im Holzofen nach dem Brotbacken, wenn der Ofen noch warm ist. Brot backe ich alle zehn Tage selber, etwa 15 Kilo. In den Ofen lege ich Tannenäste, das gibt einen würzigen Geschmack. Das Wissen habe ich von meiner Schwiegermutter und von meiner Mutter, die ebenfalls Bäuerin war. Das Brotbacken braucht viel Zeit, doch es lohnt sich. Holzofenbrot schmeckt einfach viel besser als Industriebrot aus dem Elektroofen.

Gestern gab es Gschwellti zum Zmittag. Dazu Käse, Butter und Quark. Und Salat: Zuckerhut aus dem Garten, gemischt mit gekauften Endivien. Und selber gemachte Mayonnaise. Zum Trinken gabs Tee, Most und Wasser. Das ist ein einfaches Menü. Zum Znacht machte ich eine Apfelwähe, dazu gabs Käse, Brot und Speck. Der stammt von unserer Sau. Ich schaue darauf, möglichst Gemüse und Früchte auf-zutischen. Aber ich bin nicht päpstlicher als der Papst, tische auch mal vorgefertigte Tortellini auf.

Wenn ich die Inserate mit Lebensmittelaktionen sehe und erlebe, wie gleichzeitig die Bauern für ihre Produkte immer weniger erhalten, dann macht mich das wütend. Und heute Morgen hörte ich die Meldung, die UBS habe wieder 20 Prozent mehr Gewinn eingefahren. Aber von Geld wird niemand satt. Lebensmittel sind so zentral, wir schätzen sie viel zu wenig. Doch der Konsument will immer noch billigere Produkte. Dabei geben wir fürs Essen viel weniger aus als noch unsere Eltern. Da stimmt doch etwas nicht.»

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