Beten wirkt – daran glauben die Mitglieder der Walliser Pfarrei Fiesch-Fieschertal nicht nur, sie sehen es mit eigenen Augen. Vor über 300 Jahren legten sie das Gelübde ab, fortan tugendhaft zu leben, auf dass der damals bedrohliche Aletschgletscher nicht weiterwachse. Das hat sich mehr als erfüllt: Heute ist der Aletsch 3,5 Kilometer kürzer als beim Höchststand und gilt als Mahnmal für das Abschmelzen der Gletscher durch die Klimaerwärmung.

Zu viel gebetet? Oder für das Falsche? Jedenfalls ist ein Strategiewechsel angesagt: Beten wollen die Fiescher weiter – neu aber dafür, der Gletscher möge wieder wachsen. Der guten Ordnung halber muss dafür das Gelübde von 1678 abgeändert werden, und das geht nur mit dem Segen des Papstes. Als der Beobachter im Herbst über dieses Oberwalliser Planspiel berichtete (siehe Artikel zum Thema), ging man davon aus, dass Rom bis Ende 2009 grünes Licht geben würde.

Doch Benedikt XVI. lässt die Fiescher bis heute warten: Er ist zu beschäftigt, um sich der Causa Aletsch anzunehmen. Für Regierungsstatthalter Herbert Volken nimmt aber auch so alles die richtige Fügung: Die Kälteperioden dieses Winters seien «sicher darauf zurückzuführen», dass das Beten erste Wirkung zeige, liess er sich in der Lokalpresse vernehmen.

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