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ArbeitslosigkeitDas sind die grössten Sorgen der Schweizer

Die Schweizerinnen und Schweizer sehen die Arbeitslosigkeit als grösstes Problem. Dahinter folgen die Themen Ausländer und Altersvorsorge.

Die meisten Schweizer sehen Arbeitslosigkeit als grösstes Problem – Aufnahme eines Bewerbungsverfahrens.
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Arbeitslosigkeit, Ausländer, Altersvorsorge – die grössten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer sind die gleichen geblieben wie in den letzten Jahren. Allerdings steigt der Optimismus: Alle diese Themen haben zum Teil massiv an Bedrohlichkeit verloren. Dies zeigt das neu erschienene Sorgenbarometer der Grossbank Credit Suisse, das jedes Jahr ein Stimmungsbild des Landes abgibt.

Bemerkenswert ist gemäss Studie auch die Erkenntnis, dass noch nie so viele Befragte ihre eigene wirtschaftliche Situation so positiv beurteilt haben wie dieses Jahr. 92 % gehen davon aus, dass es ihnen im nächsten Jahr wirtschaftlich gleich gut oder sogar noch besser gehen wird.

Auch im Hinblick auf die Zukunft wurden mehr als 1000 Stimmberechtigte befragt – und diese sehen sie aus. «Die Schweiz ist ein Hort der Stabilität, selbst in Bezug auf ihre Probleme», schreiben die Autoren der Studie. Auch in zehn Jahren werde man sich mit den gleichen Hauptsorgen auseinandersetzen müssen wie heute: Arbeitslosigkeit, Altersvorsorge, Ausländerfragen. Stärker als heute, so glauben die Befragten, wird uns allerdings die persönliche Sicherheit beschäftigen. Zudem werde sich das Problem mit Extremismus und Terrorismus noch weiter verschärfen.

Ein klares Bild zeigt sich bezüglich der bilateralen Verträge: 81 Prozent der Befragten befürworten eine Fortsetzung der bilateralen Verträge, nur knapp jeder fünfte Stimmbürger will diese kündigen.

Arbeitsplatz als Dauersorge

Auch das Beratungszentrum des Beobachters, das jährlich rund 85'000 Menschen telefonisch und per Mail berät, nimmt diese Sorgen wahr. Neben der Arbeit sind es vor allem die Themen Konsum und Wohnen, die viel nachgefragt werden. Rund 60 Prozent aller Anfragen betreffen diese drei Bereiche. Dahinter folgen die Themen Steuern, Sozialversicherungen und Familie.

Vier Fragen an Irmtraud Bräunlich, Leiterin Fachbereich Arbeit im Beobachter-Beratungszentrum

Beobachter: Welche Themen beschäftigen die Leute, die euch anrufen, am meisten?
Irmtraud Bräunlich: Die grösste Problemzone – und da können wir dem Sorgenbarometer nur zustimmen – ist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes sowie die Kündigung selbst. Wenn es Konflikte gibt oder wenn jemand länger krank ausfällt, dann nimmt die Angst vor der Kündigung frappant zu. Auch rufen uns viele nach der Kündigung an und fragen, wie es nun weitergeht: Wie kann ich mich wehren? Wie finde ich wieder eine neue Stelle? Wie funktioniert die Arbeitslosenversicherung?

Beobachter: Haben diese Sorgen in den letzten Jahren zugenommen?
Bräunlich: Das Thema Kündigung ist und bleibt natürlich eine Dauersorge. Was in den letzten Jahren allerdings stark zugenommen hat, ist der Stress am Arbeitsplatz. Immer mehr Menschen sagen mir, dass sie es nicht mehr aushalten, es werde alles zu viel. Diese Überforderung rührt vom zunehmenden Spar-, und Leistungsdruck und davon, dass viele das Gefühl haben, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen. Dazu stelle ich eine Entsolidarisierung fest: Sowohl vonseiten des Arbeitgebers, der sich nicht mehr sozial verantwortlich fühlt, wie auch vonseiten der Arbeitnehmer, die schneller als früher wechseln, wenn ihnen anderswo mehr geboten wird.

Beobachter: Von jung bis alt bei derselben Firma – ist das Geschichte?
Bräunlich: Das ist schon eher ein Auslaufmodell. Viele wollen das auch gar nicht mehr. Andererseits ist heute ein Arbeitsplatz auch bei einer grossen florierenden Firma nicht mehr sicher. Kaum gibt es einen Chefwechsel oder eine Umstrukturierung, schon steht man möglicherweise vor der Tür. Und in der Schweiz ist es nun einmal Tatsache, dass einem ohne triftigen Grund gekündigt werden kann.

 

«Immer mehr Menschen sagen mir, dass sie es am Arbeitsplatz nicht mehr aushalten. Der Stress nimmt zu.»

Irmtraud Bräunlich, Rechtsberaterin

Beobachter: Was sind Ihre Tipps für Menschen mit solchen Sorgen am Arbeitsplatz?
Bräunlich: Das Wichtigste ist, neugierig und aktiv zu bleiben. Nehmen Sie die technischen Entwicklungen an, machen Sie Weiterbildungen und schrecken Sie vor Veränderungen nicht zurück. Sehen Sie Wechsel aller Art als Chance, nicht als Gefahr und versuchen Sie, diese mitzugestalten. Dazu ist sicher sinnvoll, seinen eigenen Marktwert auch im höheren Alter ab und an zu testen, indem man Bewerbungen schreibt. So bleiben Sie am Ball und werden weniger rasch abgehängt. Aber ganz verhindern kann man das natürlich nicht.

Veröffentlicht am 30. November 2016