Staatschefs, Wirtschaftsführer, Schauspieler, Sportler – während des WEF landen seit Jahren alle, die mit dem Helikopter kommen, auf der Wiese vor unserem Hof. Ein Agent heftete sich einmal an meine Fersen, bevor sein Präsident Bill Clinton kam. Er durchsuchte jeden Winkel in unserem Bauernhaus. Ständig stellte er mir Fragen, dabei verstehe ich doch gar kein Englisch. Ich schickte ihn zu meiner Frau. Die verstand ihn. Dieser Asiate machte mich halb verrückt.

Vor Weihnachten geht es jeweils schon los. Dann kommen die Container für die Flugsicherung. Anfang Januar wird unser Hof komplett eingezäunt. Während des WEF landet bei gutem Wetter von halb acht morgens bis sechs Uhr abends ein Helikopter nach dem anderen. Auf meinem Feld steht oft ein halbes Dutzend von ihnen. Dann ist es auf unserem Hofgut «Stilli» vorbei mit der Ruhe. Überall stehen Überwachungskameras und Nachtsichtgeräte.

Ein Brief des amerikanischen Präsidenten

Das war im Jahr 2000 noch nicht so, als der damals amtierende US-Präsident kam. Bill Clinton landete auf dem freien Feld. Entsprechend nervös waren seine Sicherheitsleute. Am schlimmsten war dieser Asiate. Als er meine Kränze des Schützenvereins sah, fragte er, ob ich eine Waffe im Haus hätte. Natürlich. Er wollte, dass ich sie abgebe. – Kasch denka!

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Der Agent war schon Tage vor dem Präsidenten mit einem Trupp Sicherheitsleute eingetroffen. Einer wollte mir meine geschnitzte Holzuhr abkaufen. Als Clinton gelandet war und ich ihn fotografieren wollte, riss mir einer die Kamera aus der Hand. Er überzeugte sich davon, dass sie harmlos war, und so konnte ich doch noch fotografieren. Die Besatzung des Präsidentenhelikopters verpflegten wir in unserer Stube. Zuvor waren sie wohl in Kloten über ein matschiges Feld marschiert. Unsere Stube war danach dermassen dreckig, dass meine Frau einen Tag lang putzen musste.

Obwohl wir für den Heliport entschädigt wurden, schickte uns Bill Clinton später ein persönlich unterschriebenes Dankesschreiben: «Thank you for your assistance during my visit to Davos. I deeply appreciate your efforts.» Dazu sandte er mir noch ein Bild seines Präsidentenhelikopters.

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Während andere Staatschefs mit dem Super Puma der Schweizer Armee einfliegen, bringen die Amerikaner alles von zu Hause mit: Helikopter, Limousinen, ja sogar ein amerikanischer Krankenwagen war vor Ort. Sie lieben halt die Show, es muss alles immer gut aussehen. Manchmal wollen sie sich aber auch nichts sagen lassen: Obwohl ich sie gewarnt hatte, wollten sie einmal mit ihrem Jeep querfeldein fahren. No problem, glaubten sie. Ihr Wagen blieb stecken, und ich musste sie mit meinem Traktor wieder aus dem Schnee ziehen.

In den ersten Jahren sagten uns die Leute von der Flugsicherung immer, wer als Nächster landen wird. Inzwischen merke ich oft gar nicht mehr, wann ein Helikopter startet oder landet. Ob Schauspielerin Angelina Jolie auch mit dem Helikopter kam oder Bono, Sänger der Popband U2? Das weiss ich nicht mehr. Früher rannte ich bei jedem Heli und zückte die Kamera. Aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und geh nur noch selten. Ah doch, jetzt erinnere ich mich an Bono: Der hat einmal mit den Flugsicherungsleuten das Kalb gemacht.

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Nicht immer geht es so locker zu und her. Als die Pakistani einmal mit Staatschef Muscharraf wieder abfliegen wollten, stieg vom Helikopter schwarzer Rauch auf. Da waren plötzlich alle extrem nervös und begannen zu schreien. Ich durfte nicht mehr aus dem Haus, bis sich die Aufregung gelegt hatte. Schliesslich stellte sich heraus, dass nur etwas am Helikopter kaputt war.

Im Jahr 2003 kreuzten sich der israelische Friedensnobelpreisträger Schimon Peres und der frischgewählte brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zufällig zum ersten Mal. Plötzlich stürmten ihre Delegationen unser Haus. Es wimmelte von Sicherheitsleuten. Die Polizei erklärte uns, die beiden müssten miteinander sprechen, und so führten die zwei Politiker geheime Gespräche in unserer Stube.

Schmid und Maurer sind zwei ganz Flotte

Hie und da besprechen sich auch Delegationen mit Bundesräten in unserem Keller. Verteidigungsminister Ueli Maurer war letztes Jahr da oder Samuel Schmid, als er noch Bundesrat war. Das sind zwei ganz Flotte. Schmid schickte mir eine handgeschriebene Karte: «Hans Stifflers Röteli gehört zum Besten der Welt», lobte er meinen Kirschlikör. Da hat er sicher ein wenig übertrieben. Auch Schauspieler Gérard Depardieu trank bei uns einen Kaffee.

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Locker war auch der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er plauderte mit den Soldaten und liess sich mit ihnen fotografieren. Seine Nachfolgerin Angela Merkel hingegen ist zugeknöpft. Am schlimmsten jedoch ist Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Sie enttäuscht mich jedes Mal, grüsst niemanden – weder Polizisten noch Soldaten.

Vor vier Jahren durfte ich auch einmal mitfliegen. Die Besatzung eines Privathelikopters flog zum Flughafen Zürich-Kloten und nahm mich und meine Frau mit. Das war beeindruckend. Leider mussten wir für den Heimweg die Bahn nehmen. Das dauerte ewig. Ich hatte meinen Ausweis für Anwohner vergessen, den ich während des WEF zeigen muss. Da wollte mich der diensthabende Soldat nicht mehr auf meinen eigenen Hof lassen. Wir mussten erst die Polizei holen. Die kennen mich alle.

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Ich weiss nicht, wer dieses Jahr eingeladen ist. Falls aber Barack Obama kommt, soll er doch Condoleezza Rice mitbringen. Die gefällt mir. Wie bitte, sie ist gar nicht mehr Aussenministerin? Schade. Ich interessiere mich halt nicht so für Politik.