Die Abschlussfeier an der Schule im Kanton Zürich, um die es hier geht, war ein gediegener Anlass: Ein «grosszügiges kaltes und warmes Büffet» habe die Gäste verwöhnt, schilderte die Lokalzeitung, ausserdem habe ein DJ die Halle «beschallt». Sponsorengelder hätten die Feier ermöglicht, schrieb der Journalist weiter und zitierte den Rektor der Schule: «Für dieses Fest werden also keine Steuergelder eingesetzt.»

Für Eingeweihte müssen diese Worte wie Hohn geklungen haben, steht doch der sparsame Umgang mit Steuergeldern sonst nicht zuoberst auf der Prioritätenliste des Schulvorstehers. Gegen den Mann, der hier Erwin Breitschmied heissen soll, läuft ein Verfahren beim Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA), weil er an seiner kantonal geführten Schule Steuergelder verschleudert haben soll.

Angestossen hat das Verfahren der kantonale Ombudsmann Thomas Faesi. Aufgrund eines Hinweises schaltete er 2008 die Finanzkontrolle ein, die die Jahresrechnung 2007 der Schule unter die Lupe nahm und im November 2008 ein Gutachten darüber verfasste. Seither läuft die Unter­suchung durch das MBA – bisher ohne erkennbare Konsequenzen. «Es kann doch nicht sein, dass sich ein solches Verfahren über mehr als drei Jahre hinzieht», sagt Ombudsmann Thomas Faesi, der selber vom MBA bislang noch keine weiteren Auskünfte über den Stand der Dinge erhalten hat.

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Gepflegtes Zmittag für 1200 Franken

Dabei sollten die Vorwürfe nicht allzu schwer zu überprüfen sein, denn bei ihrer Revision stiess die kantonale Finanzkon­trolle auf eine ganze Reihe von Unregel­mässigkeiten. So traf sich etwa im Winter 2006 ein Teil der Lehrerschaft mit dem Rektor in einem Hotel im Skigebiet Hasliberg – einige von ihnen samt Partnerin und Kindern. Die Übernachtungskosten für den vom Rektor als «interne Weiterbildungsveranstaltung» bezeichneten Skiplausch bezahlte die Schule.

Zur Last gelegt wird Breitschmied auch ein privates Mittagessen «in gepflegtem Rahmen»: Die stolze Summe von 1200 Franken, die er dafür hinblätterte, belastete er der Schule. Auch bei einem weiteren Anlass soll der Rektor versucht haben, seinen Lohn mit einem kleinen Trick aufzubessern: Er stellte den von der Schule bereits via Rechnung bezahlten Betrag als Spesen in Rechnung.

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«Alle wussten das»

Insider berichten übereinstimmend von weiteren Schummeleien: von zahlreichen «Besprechungen» in einer Bar neben der Schule etwa, von systematisch gratis eingeforderten Kaffees in der Schulkantine, von einem von der Schule bezahlten Zeitungsabonnement für den Rektor oder von zusätzlichen Freitagen, die er ihm genehmen Lehrern gewährte. «Alle wussten das», sagt ein Insider. Und alle schwiegen – selbst die Aufsichtskommission der Schule.

Ein Grund könnten die guten Geschäftsbeziehungen sein, die der Präsident der Aufsichtskommission mit der Schule unterhält. Seine Buchhandlung liefert die Lehrmittel für die Schule, an der mehrere hundert Schüler unterrichtet werden. Die Buchhandlung biete «einen ausgezeich­neten Service», wird das Geschäft auf der Website der Schule angepriesen.

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Ob diese Verflechtungen auch Gegenstand der MBA-Abklärungen sind oder waren, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Rektor Breitschmied darf sich nicht äussern. Weil das Verfahren nicht abgeschlossen ist, nimmt auch Marc Kummer, der Vorsteher des Mittelschul- und Berufsbildungsamts, inhaltlich zu den Vorwürfen an den Rektor keine Stellung. Er gibt auch nicht bekannt, ob gegen Breitschmied irgendwelche personalrechtlichen Massnahmen ergriffen wurden. Ein Bericht eines externen Rechtsanwalts, den die Bildungsdirektion vor ­anderthalb Jahren bestellt hat, liege erst seit dem vergangenen Sommer vor, erklärt Kummer auf Anfrage. Zurzeit würden «allfällige Massnahmen» geprüft. Der kantonale Ombudsmann Thomas Faesi, der sich beim MBA seit längerer Zeit um Einsicht in diesen Bericht bemüht, hat das Dokument bis heute nicht erhalten.

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Dieser Artikel entstand dank Hinweisen auf der Whistleblower-Plattform www.sichermelden.ch