Am Samstag, 11. Juni, 15 Uhr, treffen die Fussballer der Schweiz und Albaniens an der Europameisterschaft aufeinander. Salopp verkürzt: Albanien 1 mit dem Schweizer Kreuz auf rotem Grund gegen Albanien 2 mit dem schwarzen Doppeladler auf rotem Grund. Eine Konstella­tion, bei der es, wie oft im Fussball und trotz allen gemeinsamen europäischen Wurzeln, auch um Nationalstolz und Chauvinismus geht. Und damit – wie immer in solchen Fällen – um Urteile und Vorurteile.

Wir möchten in dieser Ausgabe den Blick hinter die Vorurteile öffnen. Wo liegt der Grund, dass Albaner oft pauschal verurteilt werden als Raser, Machos und als Sozial­schmarotzer? Ist der Erfolg vieler Albaner im Schweizer Nati-Dress nicht das sichtbarste Zeichen dafür, dass viele von ihnen in der Mitte der Schweiz angekommen sind und unser Land mit viel Einsatz und Disziplin nicht nur auf dem Rasen voranbringen?

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.
Anzeige

Sind sie wirklich «impulsiver und aktiver»?

In unserer Titelgeschichte «Wie ticken die Albaner?» zeigen wir Fakten und Zahlen dazu. Und es kommen Immigranten zu Wort wie der Unternehmer Fehmi Fetahi, der im Kanton Luzern eine Firma mit 70 Angestellten aufgebaut hat. Oder Shemsi Beqiri, der zwölffache Thaibox-Weltmeister, der den Tunichtgut «Carlos» trainierte. Er sagt, Albaner hätten halt ein anderes Temperament als die Schweizer, sie seien «impulsiver, aktiver, unruhiger».

Vielleicht ist das der Grund, warum Jugendliche die Albaner in Umfragen noch immer als unbeliebteste Ausländergruppe bezeichnen. Dass sie noch immer überdurchschnittlich oft in Polizeimeldungen auftauchen. Migra­tionsforscherin Denise Efionayi-Mäder sieht genau das als Problem. Sie fordert, die Herkunft von Straftätern zu verschweigen. Die Nennung zementiere bloss die Vorurteile.

Anzeige

Die Meinung sei ihr unbenommen, aber der Ansatz greift zu kurz. Wenn Polizei und Medien die Nationalität von Tätern nicht mehr nennen dürfen, keimt in der Öffent­lichkeit schnell und zu Recht der Verdacht, unangenehme Fakten oder Entwicklungen würden bewusst vertuscht. Genau solche «Lösungen» steigern die Gefahr von Ressentiments und Protestwählern – und daran ist niemand interessiert.

Eine Öffnung hilft Vorurteile abzubauen

Komplizierter, aber erfolgversprechender ist der geduldige Weg zum gegenseitigen Verständnis. Wir sollten, trotz zweifellos noch bestehenden Schwierigkeiten bei der Integration einiger ihrer Landsleute, die Leistungen vieler Albaner in unserem Land schlicht besser würdigen.

Und unsere albanischen Mitbürger sollten sich über ihre eigene ethnische Gruppe hinaus stärker öffnen – nicht nur, wenn sie Fussball spielen. Auch das hilft gegen falsche Vorurteile.

Anzeige

Der neue Beobachter ist da

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Wie ticken unsere Albaner?» in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

Weitere Themen des Hefts:  Hoch verschuldet mit 18 – Was passiert, wenn Eltern die Krankenkassenprämien ihrer Kinder nicht bezahlt haben / «Ich bin dement» – Wie eine 54-Jährige nach der Diagnose zur «Demenz-Aktivistin» wurde / Später Nachwuchs – Bis zu welchem Alter darf man Papi werden?

Der Beobachter 9/2016 erscheint am Freitag, 29. April. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Yves Roth

Mehr zum Thema

Wie ticken die Albaner?

Die albanischstämmige Bevölkerung in der Schweiz hat einen besonders schlechten Ruf. Wie lebt sie damit?

zum Artikel

Quiz: Was wissen Sie über die Albaner in der Schweiz?

Quelle: Michael Sieber
Anzeige