Rund 330'000 Krankheitsfälle und über 1000 Todesfälle pro Jahr lies­sen sich in der Schweiz vermeiden, wenn wir uns alle nur etwas mehr bewegen würden. Und das ist noch lange nicht alles: Regelmässige körperliche Aktivität kann laut neusten Studien vermutlich sogar bei Krebs helfen.

Susanne Loacker hat die wichtigsten Ergebnisse zu den heilsamen Wirkungen von Sport im Alltag recherchiert. Sie sprach mit Medizinern, durchforstete Studien und befragte Patienten. In unserer Titelgeschichte kommt sie zum Schluss: «Sport ist eine Superpille».

Natürlich wissen wir alle längst, dass uns sportliche Betätigung gut tut – oder gut täte, wenn wir nur nicht so bequem wären. Genauso gut wissen wir aber, dass Sport schnell ungesund wird, wenn dabei nur Leistungskriterien zählen. Gerne nehmen wir das dann als Entschuldigung dafür, doch lieber darauf zu verzichten. Ganz nach den legendären Worten Winston Churchills, der sein Rezept für sein langes Leben angeblich auf zwei Wörter verdichtete: «no sports».

Andres Büchi, Chefredaktor

Quelle: Beobachter (Montage)
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«Viele Städte sind punkto Velotauglichkeit auf einem Drittweltniveau.»

Andres Büchi, Chefredaktor

Das teure Jahresabo geht bald vergessen

Man lacht noch heute gerne darüber, weil man sich dann wieder beruhigt zurücklehnen kann. Nur: Wir wissen es längst besser. Regelmässige Bewegung hilft gegen entzündliche Vorgänge im Körper, begünstigt die Blutzirkulation und stärkt das Immunsystem. Das Beste: Es braucht gar nicht viel. Schon anderthalb Stunden intensiver körperlicher Aktivität pro Woche oder zweieinhalb Stunden moderater Bewegung reichen.

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Warum also tun wir uns so schwer? Die Antwort ist: weil wir die Bewegung im Alltag komplett falsch fördern. Krankenkassen zahlen grosse Beiträge an teure Jahresabos für Fitnessstudios, die viele per Auto ansteuern und nicht wenige nach drei Probelektionen wieder vergessen. Breite Präventionskampagnen mit glücklich lachenden Menschen sollen uns ermuntern, Velo zu fahren in freier Natur. Aber wann bleibt die Zeit dafür?

All die kleinen Anstrengungen im Alltag

Viel effektiver wäre es, wenn wir uns im Alltag mehr bewegen würden. Mehr Treppen steigen, statt den Lift zu nehmen. Und vor allem: mehr Velo fahren für Kreislauf und Gelenke, statt in Auto, Bus und Zug zu sitzen.

Doch in der Verkehrspolitik fristet das Velo in der Schweiz politisch gewollt ein Nischendasein. Während etwa in Kopenhagen bereits jeder Zweite mit dem Velo zur Arbeit fährt, sind es in der besten Schweizer Velostadt Winterthur gerade mal 19 Prozent. In der ganzen Schweiz nur acht Prozent. Viele Städte, allen voran Zürich, sind punkto Velo­tauglichkeit auf einem Drittweltniveau.

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Wer politisch wirklich etwas tun will, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und ganz nebenbei einige Verkehrsprobleme zu lösen, sollte also hier ansetzen und das Velo als Fortbewegungsmittel im Alltag konsequent fördern.

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Quelle: Luxwerk

Der neue Beobachter ist da

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Der Beobachter 18/2016 erscheint am Freitag, 2. September. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

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