Bakterien sind die heimlichen Weltherrscher. Sie haben sich überall etabliert, und ohne sie könnten wir nicht existieren. Allerdings sind sie oft auch eine tödliche Gefahr, gegen die es bis weit ins 20. Jahrhundert kein Mittel gab.

Erst die Entdeckung des Penicillins, 1928, änderte das radikal. Uns ist heute gar nicht mehr bewusst, was es bedeutete, Keimen praktisch schutzlos ausgeliefert zu sein. Eine kleine Infektion konnte fatal werden.

Antibiotika gehören heute zum Alltag. Das hat uns so sorglos gemacht, dass wir drauf und dran sind, unsere stärkste Waffe gegen Bakterien aus der Hand zu geben.

Denn immer mehr von ihnen werden resistent gegen Antibiotika. Schuld daran ist deren gedankenloser Einsatz. Es ist ein ein­facher Mechanismus: Durch spontane Genmutationen entstehen Bakterien, die immun gegen ein Antibiotikum sind. Wird dieses nun eingesetzt, überleben nur die resistenten Exemplare. Sie vermehren sich und bilden eine neue – immune – Bakterienpopulation. Das bedeutet: Je intensiver Antibiotika ein­gesetzt werden, umso weniger wirken sie auf lange Sicht.

Matthias Pflume, stv. Chefredaktor.

Quelle: Getty Images

Antibiotika töten keine Viren!

Tragischerweise werden Antibiotika keineswegs erst dann benutzt, wenn sonst nichts mehr helfen würde. In der Tiermast sorgen sie dafür, dass Krankheiten in Massenställen in Schach gehalten werden. Bauern setzen in der Schweiz dreimal so viele Antibiotika ein wie Humanmediziner.

Doch auch diese sind nicht über jeden Zweifel erhaben. Nämlich dann, wenn sie Patienten auf deren Verlangen ein Rezept für ein Antibiotikum ausstellen, obwohl es gar nichts hilft: Antibiotika töten keine Viren, sondern nur Bakterien. Das kann man offenbar nicht oft genug sagen – bei einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation WHO in zwölf Ländern glaubten 64 Prozent, dass Antibiotika auch bei Viren nützen.

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«Bauern setzen in der Schweiz dreimal so viele Antibiotika ein wie Humanmediziner.»

Matthias Pflume

Immer öfter sind Bakterien gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent. Neuerdings beobachtet die Fachwelt voller Sorge, dass Resistenzgene auf einfache Weise an andere Arten weitergegeben werden können, wie Irène Dietschi in unserer Titelgeschichte schreibt. Die multiresistenten Keime breiten sich beharrlich aus: In der Schweiz sind sie zum Beispiel in jedem dritten Gewässer unter 1000 Meter gefunden worden.

Es liegt auf der Hand, dass der Kampf gegen Killerkeime weltweit geführt werden muss. Leider ist zu erwarten, dass sich die Menschheit damit sehr schwertun wird. Denn nötig sind nicht nur Milliardeninvestitionen, um neue Antibiotika zu finden, sondern auch weltweite Verhaltensänderungen. Dies bei einem Gegner, der fürs blosse Auge unsichtbar ist und nur schon deshalb ständig unterschätzt wird.

Der neue Beobachter ist da!

Lesen Sie die vollständige Titelgeschichte «Killer-Keime – Das Ende der modernen Medizin?» in der aktuellen Ausgabe des Beobachters.

Weitere Themen des Hefts: Der Fall – eine junge Frau wird von ihren Eltern terrorisiert. Krebs – warum eine Patientin 21 falsche Diagnosen erhielt. Arbeitslos über 50 – wie weiter?

Der Beobachter 6/2016 erscheint am Freitag, 18. März. Sie erhalten die Ausgabe am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Quelle: Sebastian Kaulitzki/123RF

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