Fällt nach einer Untersuchung beim Arzt oder im Spital das Wort

Krebs, fühlt es sich für die Betroffenen an, als würde ihnen der Boden unter den Füssen weggezogen. Obwohl sich die Prognosen für Krebspatienten in 
vielen Fällen in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, wird das Wort, das für den bedrohlichen Schatten eines Tumors steht, nach wie vor als ein Urteil aufgefasst, das 
einem alles entzieht, was man bis dahin als scheinbar selbstverständlich wahrgenommen hat: die Zukunftsperspektive und die Möglichkeit, das Leben selber planen und 
gestalten zu können. Von einem Moment auf den andern wird man zur Patientin, zum Patienten, der sich Untersuchungen, Operationen, Kontrollen, Therapien unterziehen muss. Das Leben wird plötzlich bestimmt durch die ärztlich vorgegebene Agenda und Termine, die einen in die Kategorie der andern drängen, der eben nicht (mehr) Gesunden.

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«Krebspatienten müssen ihre Zuversicht ins Leben wieder gewinnen.»

Andres Büchi, Chefredaktor

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Glücklicherweise gibts in der Behandlung Fortschritte. Je nach Tumorart und -stadium bei der Diagnose ist eine Krebserkrankung längst kein endgültiges Urteil mehr. Wenn die oft langwierige Therapie erfolgreich ist, beginnt das Leben danach. Doch wie öffnet sich der Horizont wieder, die Zuversicht, der Glaube an die eigene Leistungsfähigkeit, wenn man das Damoklesschwert über dem Kopf erst einmal gespürt hat?

In unserer Titelgeschichte «Der lange Weg zurück» von Beatrice Bösiger schildern drei Frauen beispielhaft, wie sie ihr Selbstvertrauen und ihre Freude im Beruf nach Krebserkrankung und erfolgreicher Therapie wiedergewonnen haben, welche Hindernisse sie dafür zu überwinden hatten, aber auch, was ihnen dabei geholfen hat.

Der Bericht zeigt, dass wir uns alle schwer­tun mit der Unsicherheit, die Krebserkrankte begleitet wie ein unberechenbarer Partner, in dessen nächsten Schritt man nie so ganz vertrauen kann.

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Am wichtigsten ist Offenheit

Mit dieser Unsicherheit können wir vor allem im eng getakteten Berufsalltag nur schwer umgehen. Betroffene wissen: Zuerst kommt die Anteilnahme, dann wird man jene, die Krebs hatte. Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen fragen anfangs diplomatisch nach. Doch der Leistungsdruck, der Alltag im Job fordern bald wieder reibungsloses Funktionieren, auch wenn die Nachwirkungen der Erkrankung noch Kopf und Körper bremsen wie Sand im Getriebe.

Ein Patentrezept für eine möglichst erfolg­reiche Rückkehr in den Berufsalltag gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Schicksale, die Menschen und die Herausforderungen je nach Job. Reden hilft. Vorgesetzte, aber auch Kollegen sollten fragen, wie rund ums Thema kommuniziert werden soll.

Am wichtigsten aber, sagte mir eine ehemalige Krebspatientin, sei Offenheit: «Man muss sich selber klar ausdrücken, die eigenen Ziele formulieren, mögliche Grenzen ansprechen. Denn so, wie du dich gibst, wirst du auch wahrgenommen.»

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Zur Titelgeschichte

Krebs am Arbeitsplatz: Der lange Weg zurück

Immer mehr Menschen besiegen den Krebs. Doch dann kommt der nächste Kampf: die Rückkehr in die Arbeitswelt. Betroffene erzählen von den Problemen.

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Krebserkrankung
Quelle: Getty Images

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Quelle: Kilian J. Kessler
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