Es kann schon sehr deprimierend sein, täglich am Beobachter-«Fliessband» zu stehen. Problem um Problem wird herangeschoben, und oft taucht dabei Altbekanntes auf: der x-te Fall von schillernden Gewinnversprechen – und noch immer fallen Leute darauf herein. Unfaire Vermieter, unsensible Ämter und miserabler Kundendienst: Sisyphusarbeit an allen Fronten. Ein Kampf gegen Windmühlen?

Wir hören wenig von den Menschen, die durch unsere Berichte vor Schaden bewahrt wurden. Eher von jenen, die trotz unserer Arbeit von neuem geneppt worden sind. Doch ganz so desaströs ist der Beobachter-Alltag nicht. Unsere Titelgeschichte (siehe Artikel zum Thema «Beobachter-Rückblick: Gut im Schuss») bietet eine stolze Auswahl von Erfolgsstorys. Das soll Ihnen – und uns! – Mut machen, immer wieder auf Missstände hinzuweisen, Kritik zu üben. Denn manchmal nützt es eben doch: Da beginnen sich Verkäuferinnen oder Erotiktelefonistinnen für ihre Rechte zu wehren. Da klopft das Obergericht einem uneinsichtigen Verhörrichter auf die Finger. Selbst die Swissmedic reagiert auf Kritik – eher unwillig zwar und mit helvetischer Bedächtigkeit. Auch der besonders unverschämte Raubzug zulasten Neugeborener mit Lungen- und Herzproblemen wird unter öffentlichem Druck gestoppt.

Für die schönsten Erfolgsgeschichten sind aber meist unsere Leserinnen und Leser selbst verantwortlich: Sie lassen sich von der Not einer Sozialhilfeempfängerin berühren oder schicken uns rührende Beweise menschlicher Anteilnahme – zur Weiterleitung an einen geplagten Mitbürger. Und auch dieses Jahr staunen wir wieder über die Solidarität unserer Leserschaft: Der Spendenaufruf für SOS Beobachter hat bereits 657180 Franken eingebracht, die wir für Direkthilfe einsetzen werden. Herzlichen Dank!

All diese Erfahrungen machen uns klar: Wir arbeiten beim Beobachter ohne jede Erfolgsgarantie. Aber allen Missständen und Ungerechtigkeiten zum Trotz lässt sich am Jahresende eine Bilanz ziehen, die Mut fürs neue Jahr macht.

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