Die Antibabypille, lanciert am 18. August 1960 in den USA, gilt als eine der prägendsten Erfindungen des letzten Jahr­hunderts. Sie hat die Familienplanung massgeblich beeinflusst und die Selbstbestimmung der Frauen erleichtert. Ermöglicht haben das – neben den männ­lichen Erfindern – allein die Frauen.

Denn nach wie vor sind sie es, die sich in den allermeisten Fällen um die Verhütung kümmern. Zu ihrer eigenen Sicherheit natürlich, aber ebenso im Interesse all jener Männer, die diese Aufgabe noch so gern einfach der Partnerin überlassen.

Jetzt aber wächst der Widerstand gegen die tägliche Einnahme der Hormonpräpa­rate. Seit 2008 sind die Pillenverkäufe in der Schweiz rückläufig – obwohl die heutigen Pillen mit jenen der sechziger Jahre kaum mehr vergleichbar sind. Was eine Frau heute in einem ganzen Monat an Hormonen schluckt, um eine unerwünschte Schwangerschaft zu verhindern, war damals in einer einzigen Pille enthalten. Viele der einst häufigen und teils massiven Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und Depressionen konnten eliminiert oder deutlich reduziert werden.

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Kaum erforschte psychische Auswirkungen

Entsprechend sorglos griffen insbesondere Teenager und junge erwachsene Frauen zum täglichen Medikament. Eine Erhebung vor fünf Jahren zeigte, dass knapp zwei Drittel aller 15- bis 24-Jährigen zur Verhütung auf die Pille setzen. Weil sie praktisch ist – und nicht selten auch, weil die auf Rezept erhält­liche Hormondosis aknefreie Haut verspricht und so manch leidender Psyche helfen kann.

Trotzdem wächst seit einiger Zeit die Skepsis gegen die Pille – auch und gerade bei jüngeren Frauen, die es leid sind, jahrelang täglich Hormone zu sich zu nehmen, ohne zu wissen, was diese in ihrem Körper genau auslösen können. Für unsere Titelgeschichte «Antibabypille: Warum Frauen immer häufiger darauf verzichten» haben Jessica King und Anina Frischknecht die Gründe für diese Entwicklung recherchiert. Fazit: Die heutigen Pillen verursachen zwar nur selten objektiv feststellbare oder gar schwere Nebenwirkungen, aber die subtileren Auswirkungen sind bis heute kaum erforscht. Viele Frauen kritisieren, sie fühlten sich fremdgesteuert, sie hätten ein anderes Körpergefühl oder weniger Lust auf Sex.

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Es ist daher wichtig, alternative Verhütungsmethoden nicht einfach zu vergessen. Und spätestens das geht auch uns Männer an. Mit Kondomen oder mit Verhütungs­computer und Thermometer leidet zwar die Spontaneität beim Sex, aber richtig und sorgsam eingesetzt, sind beide Methoden sehr zuverlässig.

Wenn die Kinderfrage in späteren Jahren geklärt ist, kann der Mann ebenfalls seinen Teil zur Verhütung beitragen. Eine Unter­bindung ist lediglich ein ambulanter Eingriff von rund 20 Minuten Dauer. Und Sie fühlen sich danach als Mann – glauben Sie mir – kein bisschen anders als zuvor. Höchstens um eine Sorge leichter.

Zur Titelgeschichte

Warum Frauen immer häufiger auf die Antibabypille verzichten

Stimmungsschwankungen, mangelnde Lust und das Thromboserisiko sind dafür verantwortlich, dass die Pillenverkäufe abnehmen. Doch welche Alternativen gibt es?

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