Die Firma Igenea/Gentest.ch hat einen neuen Weg gefunden, wie sie die strengen gesetzlichen Auflagen für ihre Ahnenforschungstests umgehen kann. Kunden schicken ihre Speichelproben nicht mehr an den Firmensitz in Zürich, sondern direkt ins Labor nach Houston, Texas.

Igenea/Gentest.ch hatte der Bundespolizei ein «neues Geschäftsmodell» vorgelegt. Die Aufsichtsstelle gab darauf grünes Licht: «Igenea/Gentest.ch nimmt neu eine reine Vermittlerrolle wahr. Damit fällt sie nicht mehr unter das Gesetz über den Umgang mit genetischen Untersuchungen am Menschen.»

Das «neue Geschäftsmodell» ist aber mehr oder weniger das alte, die grundsätzliche Problematik löst es nicht. Wie bisher kann jedermann ungeprüft bei der Firma ein Probeset anfordern und DNA analysieren lassen. So konnte ein vom Beobachter beauftragtes achtjähriges Mädchen problemlos ein Probeset bestellen. Alter und Identität wurden nicht überprüft, sie musste auch nicht zum Arzt.

Im Juni hatte die Bundespolizei die Zürcher Firma noch aufgefordert, sie müsse sich ab Anfang 2010 vollständig an das Gesetz über den Umgang mit genetischen Untersuchungen am Menschen halten (siehe Artikel zum Thema).

Gemäss Gesetz müssen die Anbieter von Gentests die Identität der Probanden überprüfen. Zudem darf nur ein Arzt die Speichelprobe entnehmen, und diese muss in einem von den Schweizer Behörden akkreditierten Labor untersucht werden. So soll sichergestellt werden, dass Unbekannte nicht Proben von Drittpersonen untersuchen lassen können. Denn mit DNA-Tests könnte zum Beispiel ein Knabe im Geheimen herausfinden, ob er gar nicht mit seinem Vater verwandt ist (versteckter Vaterschaftstest).

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Humangenetikerin Sabina Gallati, die als Präsidentin der Expertenkommission das Gesetz massgeblich geprägt hat, staunt über den Entscheid der Bundespolizei: «Es ist ausserordentlich bedauerlich und bedenklich, dass das Gesetz auf diese Art und Weise umgangen werden kann. Wir werden alles daransetzen, Graubereiche und Lücken im Gesetz zu erkennen und auch solche Anbieter der Aufsicht der Behörde zu unterstellen.» Igenea/Gentest.ch-Inhaber Michael von Arx will sich gegenüber dem Beobachter nicht zum angeblich neuen Geschäftsmodell äussern.