Irina Beller ist Millionärsgattin und exzentrisch und offenherzig wie keine Zweite in der Schweiz. Ihr Buch «Hello Mr. Rich! So heirate ich meinen Millionär» polarisiert mit Aussagen wie «Reich genug ist nie reich genug». Nach eigenen Angaben besitzt sie mehr als 20 Pelzmäntel.

Schwester Benedikta hat für den Ruf Gottes Mann und Kinder verlassen und dann knapp zwei Jahre als Einsiedlerin in der Verenaschlucht gewirkt. Sie lebt asketisch: mit einem Bett, einem Schrank, einem Tisch, einem Sessel und ihrem Hund.

Irina Beller: Wenn ich irgendwann einmal müde vom Leben bin, könnte ich mir ein Leben als Nonne auch vorstellen. Dann würde ich Kuchen essen und schlafen. Die ganze Zeit.

Schwester Benedikta: Das wäre nicht spirituell. Ich faste. Und müde darf man für dieses Leben auch nicht sein. Das ist Disziplin, nicht Kuchen essen und schlafen.

Irina Beller: Quälen Sie sich auch im Fitness, stundenlang?

Schwester Benedikta: Ich mache Muskel­aufbau, für die Gesundheit.

Irina Beller: Wann stehen Sie morgens auf?

Schwester Benedikta: Um fünf.

Irina Beller: Ich um halb sieben.

Schwester Benedikta: Tauschen würde ich nicht wollen. Höchstens für eine Woche vielleicht. Als Talkshow-Gast übernachtete ich mal in diesem Sterne-Hotel. Überwältigend. Das Bett, das Badezimmer…

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Irina Beller: Sehen Sie! Welche Frau würde das nicht lieben.

Schwester Benedikta: So etwas kann ich schätzen und geniessen. Aber dann möchte ich weitergehen.

Irina Beller: Ich gehe auch weiter.

Schwester Benedikta: Dann hat das schlichte, ganz einfache Leben einfach wieder den grösseren Reiz.

Irina Beller: Sie haben ja auch keine andere Wahl. Auch ich bin ein bodenständiger Mensch, keine geldgeile Tussi. Ich glaube aber, Geld macht eher glücklich als unglücklich. Ich bin froh, dass ich in jeder Boutique sagen kann, ich will das, das und das. Nach Schnäppchen durch die ganze Stadt zu rennen wäre mir viel zu anstrengend und schade um die Zeit.

«Ich übernachtete mal in diesem Sterne-Hotel. Überwältigend...»

Schwester Benedikta, Nonne

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Schwester Benedikta: Die Welt denkt, Armut mache unglücklich. Aber nach biblischer Ansicht…

Irina Beller: Ist das auch Ihre Ansicht?

Schwester Benedikta: Das deckt sich zunehmend. Nach biblischer Ansicht macht Freiheit glücklich.

Irina Beller: Geld ist Freiheit.

Schwester Benedikta: Man kann viel Geld haben und frei sein, und man kann kein Geld haben und frei sein. Ich bin sehr privilegiert aufgewachsen, dann aber in der Pubertät in eine grosse Krise gekommen.

Irina Beller: Wer nicht?

Schwester Benedikta: Meine Eltern haben gearbeitet, Ferien und Bildungsreisen gemacht, das Leben genossen – aber immer nur für sich selbst. Ich wollte mehr für die andern tun, deshalb führe ich mein Leben mit Gott.

Irina Beller: Sie waren aber auch verheiratet und Mutter. Warum haben Sie sich aufgegeben? Sie sind doch immer noch eine junge Frau, nicht 80 Jahre alt.

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Schwester Benedikta: Ich habe mich nicht aufgegeben.

Irina Beller: Doch, Sie haben sich aufgegeben. Sie sind ungeschminkt, grauhaarig und haben ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Wie sich ein Mensch um sein Äus­seres kümmert, sagt viel über seine Selbstachtung.

Schwester Benedikta: Meine Kleidung ist Ausdruck für den Weg, den ich gehe. Ich kleide mich wie eine Nonne. Das hat mit der Würde des religiösen Weges zu tun.

Irina Beller: Trotzdem. Sie waren verheiratet, hatten Kinder. Ich glaube, Sie haben sich von Ihrem alten Leben verabschiedet, weil Sie von etwas enttäuscht wurden. Vielleicht hat Ihr Mann ja fremdgeschaut, und Sie merkten, dass ein Leben als Nonne auch nicht schlecht wäre. So war es doch?

Schwester Benedikta: Das wäre eine Unterstellung. Ich musste nicht viel loslassen. Die Werte, die mir meine Eltern vermittelt haben, sprachen mich nie an. Gott hat mich angesprochen.

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Quelle: Kilian J. Kessler

Irina Beller: Aber irgendeinen Knall muss es doch gegeben haben. Eine Frau verlässt ihre Kinder und ihren Mann nicht einfach so.

Schwester Benedikta: Die Berufung war der Knall. Ein Priester hat mich ermutigt. Wenn Gott so fest ruft, muss man sich dem stellen. Trotz Ehemann, trotz Kindern. Die Kinder sind erwachsen. Für ihr Glück müssen sie irgendwann selber verantwortlich sein.

Irina Beller: Ihre Berufung zu Gott heisst, für andere da zu sein. Müssten Sie nicht zuerst die Familie glücklich machen und dann erst das Universum und alle anderen?

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Schwester Benedikta: Mutter bin ich ja geblieben, nur hat die Berufung jetzt Priorität. Für meine Familie war es ­natürlich nicht einfach, loszulassen – mittlerweile ist sie aber stolz. Und wenn heute jemand an meine Tür klopft, bin ich frei und kann helfen.

Irina Beller: Und Ihr Mann?

Schwester Benedikta: Wir haben geweint und dann die gemeinsame Wohnung aufgelöst. Heute haben wir ein geschwisterliches Verhältnis.

Irina Beller: Ich würde den Sex vermissen (lacht).

Schwester Benedikta: Am meisten vermisse ich die Gespräche, nicht den Sex. Aber auch das ist ein Prozess des Loslassens und des Umkanalisierens.

Irina Beller: Wohin kanalisieren Sie?

Schwester Benedikta: In die Kreativität.

Irina Beller: Das eine schliesst doch das andere nicht aus.

Schwester Benedikta: Damit lernt man umzugehen. Ich empfinde es als sehr befreiend, nicht mehr so stark als Frau wahrgenommen zu werden.

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«Sehen Sie! Welche Frau würde das nicht lieben.»

Irina Beller, Millionärsgattin

Irina Beller: Wissen Sie, was Sie brauchen? Einen spirituellen Mr. Rich. Mit ihm könnten Sie Halleluja singen, sich mit seinem Geld für gute Projekte einsetzen und mit dem Rolls-Royce in den Sonnenuntergang fahren.

Schwester Benedikta: Lieber mit einem Jaguar als mit einem Rolls-Royce (lacht).

Irina Beller: Spirituelle Mr. Richs gibt es viele, besonders wenn sie als Mann nicht mehr richtig funktionieren.

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Schwester Benedikta: Ja, manchmal wünsche ich mir schon, ich könnte ­einen grosszügigen Check ausstellen. Besitz und Reichtum lassen mich persönlich leer. Mr. Richs Geld würde ich für die nutzen, die es nötiger haben.

Irina Beller: Wenn alle Geld bekommen sollen, die es nötig haben, hat ihr Mr. Rich schnell einmal nichts mehr. Man soll schon geben, aber auch schauen, dass für sich selbst auch noch was bleibt. Ich bin ein sehr grosszügiger Mensch und helfe für meine Verhältnisse wahrscheinlich so viel wie kein anderer. Ohne Nehmen gibt es aber kein Geben.

Schwester Benedikta: Von wem nehmen Sie denn?

Irina Beller: Von der Welt. Vom Uni­versum (lacht). Es ist doch egal, von wo und wie ich es nehme. Haupt­sache, ich mache jemanden glücklich. Und Hauptsache, jemand macht mich glücklich.

Schwester Benedikta: Es ist die Einstellung, die glücklich macht. Das weiss ich, seit ich das Gelübde abgelegt habe. Ich besitze wenig. Aber ich habe alles, was ich brauche. Mich Gott ganz hinzugeben und für die Mitmenschen da zu sein, das gibt mir Sinn im Leben.

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Irina Beller: Ich glaube nicht an den Sinn im Leben. Egal, was du machst, am Ende bist du tot. Der einzige Sinn im Leben ist wahrscheinlich, das Leben zu geniessen. Sie, Schwester Benedikta, machen das auf Ihre Art. Ich mache es auf meine.

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