3_00_sh4.jpg«Meine Frau hat multiple Sklerose (MS). Als wir vor zwanzig Jahren heirateten, war sie bereits krank, konnte aber noch gehen. Doch seit sechs Jahren sitzt sie im Rollstuhl und kann nur noch wenig selber erledigen. Ich helfe ihr abends und am Wochenende so viel wie möglich.

Als die MS-Gesellschaft vor zehn Jahren einen Abend für Angehörige von MS-Kranken organisierte, bin ich hingegangen. Daraus ist unsere Selbsthilfegruppe entstanden. Seither bin ich dabei.

Wenn man mit einem MS-Patienten zusammenlebt, ist man nicht zu zweit, sondern zu dritt. Denn die Krankheit ist wie ein Kind. In der Verwandtschaft findet man die Krankheit zwar schlimm, aber damit hat es sich. Als Angehöriger fühlt man sich gesellschaftlich oft ausgebootet. Man wird zur Pflegeperson des kranken Partners.

In der Selbsthilfegruppe werde ich verstanden, und wir geben einander Tipps. Die andern machen mich darauf aufmerksam, was noch passieren könnte. Die Gruppe hilft aus der Isolation heraus. Man kann Erfahrungen austauschen und stärkt einander den Rücken. Wenn man ständig um den betroffenen Partner ist, gerät man regelrecht in einen Sog. Das eigene Leben bleibt auf der Strecke. Viele Angehörige leiden psychisch unter der Belastung. Unser Ziel ist, Freiräume für die Angehörigen zu schaffen. Denn schliesslich bringt es auch den Betroffenen selber etwas, wenn ihre Partner wieder motivierter sind.»

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