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iPhones in den Sondermüll«Das ist bireweich»

Wegen einer Sperre können Fundbüros funktionierende iPhones nicht mehr weiterverkaufen. Apple will das so.

Auf ewig blockiert: gefundene iPhones.
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Im Keller der Firma Fundsachenverkauf.ch stapeln sich 800 gebrauchte iPhones, iPads und iPods. Potenzieller Verkaufswert: 200'000 Franken. Tatsächlicher Wert: null. «Wir können sie nicht verkaufen, sie sind gesperrt», sagt Geschäftsführer Roland Widmer.

Seit einem Update aufs Betriebssystem iOS 7 haben die Telefone und Tablets eine Aktivierungssperre. Das soll Unbefugte daran hindern, sie zu verwenden, falls sie gestohlen werden. Auch wenn alle Daten auf dem Gerät gelöscht sind und es neu aufgesetzt wird, muss man die Apple-ID samt Passwort eingeben, um es wieder zu benutzen. Schlecht für Diebe – aber auch für Fundbüros, für die eine Einnahmequelle versiegt ist.

Plötzlich wird ein richterlicher Entscheid benötigt

Fundsachenverkauf.ch erhält nicht abgeholte Fundsachen unter anderem von SBB, Postauto, den Flug­häfen Genf und Zürich. Als immer mehr ­gesperrte Apple-Geräte auftauchten, intervenierte Geschäftsführer Roland Widmer Mitte 2015 bei Apple. Mittels Belegen konnte er beweisen, dass er der rechtmässige Besitzer ist und die Telefone nicht gestohlen waren. Sämtliche Seriennummern waren mit der Kantonspolizei Zürich abgeglichen worden. Zudem waren die Geräte sauber: alle Daten gelöscht, auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Zunächst hatte Widmer Erfolg. ­Einen Monat lang willigte der Apple-Store in Zürich ein, rund 60 Sperrungen aufzuheben. Doch im Oktober hiess es plötzlich, Widmer müsse die Originalquittungen vorweisen – «bei verlorenen Geräten unmöglich», ärgert er sich.

Ende Jahr gelangte Widmer an den europäischen Apple-Hauptsitz in Irland. Nach mehrmaligem Nachfragen sagte man ihm, er benötige für Entsperrungen einen richterlichen Entscheid. «Bireweich», schimpft er. «Es ist auch ökologischer Blödsinn, Telefone zu verschrotten, wenn sie noch perfekt funktionieren.» Gegenüber dem Beobachter wollte sich der Apple-Konzern nicht äussern.

«Schade für die Leute»

Das Problem kennen auch andere Fundbüros. Auf bis zu 70 iPhones sitzt etwa jenes der Stadt Zürich. «Früher konnten wir sie für 100 bis 200 Franken verkaufen», sagt Leiterin Daniela Baldauf. «Es ist schade für die Leute, die so zu einem günstigen Handy ­kamen.» Das Zürcher und das Basler Fundbüro fragten bei Apple für Entsperrungen an, beide wurden enttäuscht. Mangels Alternativen wandern die gesperrten Geräte nun in den Sondermüll.

Veröffentlicht am 07. Juni 2016

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2 Kommentare

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sugus
Wenn man doch eine Aplle ID hat, kann der Fundsachenverkauf.ch das Händy unaufgesetzt verkaufen..... Der Verkäufer wird aber darauf hingewiesen, dss er eine pple ID braucht. Problem somit gelöst.

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Adelbert Pfister
Ueber kurz oder lang wird Apple sich mit dieser Schickane selbst schaden. Mit den laufenden Updates der Betriebssysteme begibt sich der Nutzer immer weiter in eine Abhängigkeit und ist sich der Tragweite dieses Problems gar nicht bewusst!

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