Roland Schönenbergers Erstaunen war gross, als er diesen Frühling Post aus Österreich bekam. In einem Brief forderte ihn das Bezirksgericht Bregenz auf, eine Busse von 654 Euro zu bezahlen - oder eine 15-tägige Ersatzfreiheitsstrafe zu gewärtigen. Das Strafurteil lautete auf fahrlässige Körperverletzung wegen eines Unfalls im Strassenverkehr. Diesen hatte Schönenberger tatsächlich verursacht - 1985. Volle 22 Jahre dauerte es also, bis die Rechnung den Weg aus dem Vorarlberg ins thurgauische Dussnang gefunden hatte.

In der Schweiz wäre die Eintreibung einer solchen Busse schon längst verjährt, nicht aber nach österreichischem Recht. Dieses kennt keine Verjährung, solange der Täter im Ausland weilt. Wer also in Österreich verurteilt ist und seine Schuld noch nicht verbüsst hat, muss jederzeit damit rechnen, irgendwann zur Kasse gebeten zu werden. Wahrscheinlicher ist jedoch, beim Grenzübergang zufällig kontrolliert und - weil zur Fahndung ausgeschrieben - zur Bezahlung der Geldstrafe angehalten zu werden. Wer dies verweigert, den behalten die charmanten Nachbarn gleich in Haft.

«Diesem Risiko wollte ich mich nicht aussetzen», so Schönenberger. Doch noch vor der Bezahlung der Busse erhielt er völlig unverhofft ein weiteres Schreiben aus Bregenz. Nun war sein Erstaunen fast noch grösser: Im Brief stand, dass ihn «der Herr Bundespräsident der Republik Österreich» höchstpersönlich begnadigt habe.

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