Der Kantonspolizist hatte Andrea Vogel (Name geändert) bei einer Personenkontrolle im Juni 2007 einen Nasenbeinbruch, eine Rissquetschwunde und mehrere Schürfungen zugefügt. Das Bezirksamt Brugg hatte ihn vor etwas über einem Jahr wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Das Gerichtspräsidium hat den Polizisten nun in zweiter Instanz freigesprochen.

Andrea Vogel war von einer Verkäuferin in einem Kleiderladen in Frick fälschlicherweise des Diebstahls bezichtigt worden. «Als kurz darauf ein Polizist meinen Ausweis sehen wollte, erklärte ich ihm, dass mein Pass im Auto liege», sagt sie. «Er liess mich ihn aber nicht holen – stattdessen schrie er mich an und zerrte mich zu seinem Auto.» Dort habe er sie vor den Augen ihrer fünfjährigen Tochter mit einem gezielten Wurf zu Fall gebracht.

«Sie fiel aus ihren Schuhen»

Die Darstellung des Polizisten klingt anders: Vogel habe sich geweigert, sich auszuweisen. Um Verstärkung aufbieten zu können, habe er sie mit einem Polizeigriff zu Boden gedrückt. «Dabei fiel sie unglücklicherweise aus ihren Schlupfschuhen.» In der Folge sei sie auf den Boden aufgeschlagen.

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So unterschiedlich die Versionen klingen, so eindeutig ist der Befund des Instituts für Rechtsmedizin der Uni Basel: «Die festgestellten Verletzungen sind Folgen stumpfer Gewalt», hält es fest. Das Bezirksamt Brugg fand im erstinstanzlichen Urteil denn auch deutliche Worte: «Der Beschuldigte hätte die Frau festhalten können, ohne sie zu Boden zu werfen.» Stattdessen habe der Polizist Vogel behandelt wie eine renitente, körperlich starke Person, obwohl sie ihm «offensichtlich physisch weit unterlegen» gewesen sei.

Dass die zweite Instanz das Urteil nun aufhebt, ist für Vogel «schockierend». «Es scheint, als könnten sich Polizisten alles erlauben, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden», sagt sie. Ob sie den Fall weiterzieht, will sie von der schriftlichen Urteilsbegründung abhängig machen, die noch nicht vorliegt.

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